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Franz Petrarcas poetische Briefe
Entstehung
Seite
44
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447. Das Bekenntnis. 1 )

(An Giaoomo Colonna.)

Du wünscht genau zu hören, was ich treibe,Wie's um mein Leben, um mein Wesen steht.Nun wohl, ich will die Wahrheit nicht verschweigenUnd nichts Erdachtes will ich dir berichten.5 Dem Selbstgespräch sei eitle Ruhmsucht fern.Vernimm zunächst: ich lebe wunschlos, frohDes schon Erworbnen, schlofs den HerzensbundMit goldner, reiner Armut, und ich schämeMich ihrer nicht. Wenn nur Fortuna mir

10 Mein kleines Gärtchen läi'st, mein enges HausUnd meinen Bücherschatz, so mag sie alles,Was sonst sie will, getrost von dannen tragen,Nur ohne Lärmen es gehört ja ihr!Ich frage nichts nach Gütern, nach der Ahnen

15 Ererbtem Reichtum, der ein hohes Streben

*) Die Person der von ihm in unübertroffenen Sonetten besungenenLaura hat P. in ein undurchdringliches Dunkel gehüllt. Dafs sie wirklichgelebt habe, Tochter eines Edelmanns de Noves gewesen sei und mit Hugode Sade in Avignon 11525 vermählt worden sei, konnte erst durch de Sadeim 18. Jahrhundert begründet werden. Auch aus der vorliegenden Epistelerführt mau über Laura und ihre Beziehungen zu P. nichts näheres. DasGedicht zerfällt in zwei Hälften; in der ersten teilt P. seinem vertrautenJugendfreunde Giacomo Colonna mit, welche Leiden ihm seine Liebe zuLaura verursacht habe, wie er durch alle Welten geflohen sei, um ihrzu entrinnen. Hier erfahren wir wenigstens die Tatsache, dafs Laura eineDame von altem Adel gewesen ist. Im übrigen schildert er seine Liebeals einen Kampf, in dem er seiner schönen, grausamen Feindin unterliegt.Die Qualen dieses Bingens sind ergreifend geschildert. Nach vergeblicherFlucht durch Länder und Meere habe er sich, sagt P., in die Einsamkeitvon Vaucluso gerettet.

In der zweiten Hälfte gibt er dem vertrauten Freunde eine Schilderungseines einsiedlerischen, den Studien gewidmeten Daseins, die zu demschönsten gehört, was über die Freuden eines wissenschaftlichen Lebensje gedichtet worden ist. Das ganze Gedicht läfst uns einen tiofen Einblickin das Gomütsleben des Dichters tun. Als Abfassungszoit setzt Körting,der p. 089 das Gedicht eingehend behandelt und z. T. in Prosa übersetzthat, mit grofser Wahrscheinlichkeit 1338 fest.