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Franz Petrarcas poetische Briefe
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An ihr erschien nichts niedrig-, nichts geinein;Ihr Wort, des Geistes Zeugnis, tönte stolz20 Und aus dem Auge blitzte edles Feuer.Der Reise Zweck und ihrer Klage Ursach,Woher sie käme, Name, Heimat, Abkunft,Erkunden wollt' ich. War latinisch dochDer Greisin Rede, ihr Gewand latinisch,

25 Ob alt auch und verschossen; dreimal kamSie zum Palast, doch dreimal stockte mirVor Scheu die Rede. Mitleidsvolles FlüsternVerriet indes mir ihren Namen. Seht,So hört' ich leise sagen, das war Rom!

30 Ich war entsetzt. An diesem Beispiel lernt' ich,

Wie wenig man dem Glück vertrauen darf.Kein andrer Tag bewies es je so deutlich.Denn wenn das Glück mit seines Rades SchwungGleich alle Reiche launenhaft vernichtet,

35 Den Knecht erhöht zum Sieger, Herrscher stürztVon ihrem Throne nimmer hat es dochSich so handgreiflich kundgetan, sich soAls weltbeherrschend jedem offenbart,Als da es Romas Macht zu Boden warf,

40 Die Frucht von so viel Kämpfen, so viel Mühen,Und ihres Hauptes eine Welt beraubte.

Mag Griechenland, die Heimat hoher Worte,Die Lehrerin der Ruhmsucht, seine HeldenZum Himmel prahlend heben, unablässig

45 Im Liede sie verklären; mag Achill,

Stolz auf Homer, den Herold seines Ruhmes,Der Feder seines Sängers mühelosAls Lanze sich bedienen; Theben magMit Weihrauch festlich Herakles begrüfsen

50 Und himmelhoch erheben; mag die GunstDes Volks von Sparta Ledas Söhne tragenBis zu den Sternen; mag die sünd'ge HerrschaftZu Jovis Ruhme, mag der Sturz alleinZu seines Vaters Ruhme dienen; sei

55 Als alter Weiser Nestor hoch in Ehren;