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Dein Geistesauge, bist du gleich so fern)Sieh meine Gotteshäuser, aufgebaut
190 Mit so viel Mühe, wie sie wankend stehnZum Fall geneigt — wie die Altäre, öde,Beraubt der Schätze, kaum von dürft'gen WolkenDes Weihrauchs dampfen! Sieh, wie selten nurDer Fremde den geweihten Raum betritt;
195 Sieh, wie im Bettlerkleide sich der Priester
Dem Tempel naht — und hab Erbarmen, Vater, -Gestehe ein, dafs unverdient ich leide.
Denn darf ich offen reden, (glaube nicht,Dals ich Vergangnes dir zum Vorwurf mache,
200 Nur tut mir's wohl, des Alten zu gedenken)Als mich des Glückes Lächeln auf den GipfelDer Macht gestellt, als Königreiche flehendZu meinen Ftifsen lagen, als ich NiemandAls meines Gleichen anerkannte, da
205 Begehrt' ich freien Willens dich zum Herrn. 1 )Bezweifelst du's? Als ernster Zeuge stehtDer Berg Sorakte da, aus einem MundeBezeugt's der Wälder Zuruf. — Doch du sprichst:„Nicht ich allein, es war ein zweiter noch
210 Gebieter deiner Burg und dein Verlobter.' 2 )"Zu wahrer Bede ist mein Herz entschlossenUnd Heuchelei liegt meinen Jahren fern! —Aus meinen Armen treulos zu entfliehnWar jener schlecht genug; Germania
215 Hat ihn erobert, mein hat er vergessen.
l ) Die Verse 201—218 beziehen sich auf die konstantinische Schenkung,durch die der Papst die Herrschaft über Rom erhielt, ohne irgend einenRechtsanspruch, allerdings durch freien Willensakt des Kaisers, nicht derStadt. Der Papst wird an den Berg Soracte und seine Wälder erinnert,als an Zeugen seiner der Schenkung vorhergehenden Schwäche. Dennnach der Legende des heil. Silvester, der Constantin den Gr. taufte, wardieser Kaiser anfänglich ein böser Christenverfolger und setzte namentlichdem Bischof von Rom Silvester so zu, dafs dieser sich auf dem Soracteversteckt halten mufste. Döllinger, Papstfabeln, p. 63.
a ) Gemeint ist auch hier Ludwig der Baier, der sich aus Italien voll-kommen zurückgezogen hatte.