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125 Bald zerrten (o beweinenswerte Untat!)
Die eignen Bürger roh an meinen Gliedern, 1 )Bald ward ich Beute der Tyrannengier;' 2 )Ehrlose Freier kamen, — mich zur EheBegehrten sie — und als ich sie verschmähte,
130 Gebrauchten sie Gewalt, — denn waffenlos —
0 Schmach und Schande! — war mein stolzer LeibUnd keine Kraft mehr in des Weibes KörperUnd nirgends sichre Flucht für die Verzagte.0, dafs ich eigne Schmach berichten mufs!
135 Was wagte nicht, auf meine Schwäche zählend,Ein schmutz'ger Spröfsling von Corvaria 3 )Mit hartem Strick umgürtet, angetanMit Bettlerkleidern? Unerhörtes Rasen,Wohin versteigst du dich? Zu welchem Greuel
140 Erhebt sich deine blinde, tolle Gier? ■—Ein Bettler, nackt vom Fufse bis zum Knie,Gewohnt mit Waldeskräutern und mit BindenVon bittern Wurzeln seines Hungers QualenZu enden, schon bejahrt, war er frech genug
145 Als ein gemeiner Buhle, ohn' ErrötenAm hellen Tage mein geweihtes LagerUnsittlich zu beschimpfen! — Ihn umringteDes Volkes rohe Schar und rief dabeiDie Hohnesworte: „Seht, sie ist zu alt!
150 Drum hat ihr Mann sie satt! Er ging davonUnd sucht sich andre Liebsten aus." — AlleinDa nicht mit Schmeicheln, nicht mit Schreck und DrohnMein Herz zu beugen war, ergriff ihn Wut;Er schleppte mich gewaltsam fort und hielt
155 Mich im Gewahrsam, bis die blut'ge Seite
*) Die eignen Bürger sind die fohdelustigen Barone, Colonna, Orsini u. a.
s ) Tyranneiigier und ehrlose Freier dürfte, trotz des Plurals, nurLudwig den Bayern bezeichnen und den von ihm eingesetzten GogenpapstNicolaus V.
') Als Mönch hiofs Nicolaus V. Petrus von Corvaria, er war einMinorit. Die Erhöhung eines Bettolinönches zum Papsttron wird alsschimpfliche Entweihung dargestellt.