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Franz Petrarcas poetische Briefe
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Du fehltest mir! und nie erstrahlte mirEin schöner Tag; in wildem Streite lagen,Von keiner Bruderliebe stifs geeint,Die Söhne; ach! so wenig ehrten sie

60 In ihrem Trotz die hochbetagte Mutter.Das hat mein Angesicht entstellt, das hatSo früh mich alt gemacht; das schuf mir GramOhn' Ende, liefs die Tränen nie versiegen.Und stets vergeblich stieg zum Himmel auf

65 Mein heilses Flehn, gemischt mit bittern Klagen.Vergeblich tat ich manch Gelübde, immerBlieb ich verstofsen aus dem Arm des Gatten,Des Herrn, des Vaters! Ach, mein Ein und Alles,Das warst nur du; durch dich allein vermochte

70 Auch meine Schönheit ihren Reiz zu wahren.0 Erdengltick, o frommes, eitles Hoffen!Nun bin ich tief gebeugt, die einst gepriesenVon aller Welt, den sieggekrönten ScheitelErhob bis zu der Himmelswölbung, stolz

75 Zu Boden alles trat: denn was der SchöpferDes Menschen Willen Untertan gemacht,Der Bäche, Flüsse Lauf, das Meer, geschmiegtIn seine Buchten, weit gedehnte Fluren,Und Städte, Waffen, Herden, Männer, Alles

80 Gehörte Rom! Erhob das Frührot sich

Aus ferner Brandung, aus der See des Ostens,So grüfst' es mich als Herrin; warmer HauchDes Westwinds, kalter Nord und feuchter SüdJedwedes Land, umspült von Meerestiefen,

85 Das in die Flut sich hinstreckt oder hochZu klaren Lüften aufwärts ragt, es mufsteVerspüren meine Siegeskraft. Vor mirVerzagten wilde Daker, kampferprobteGermanenkrieger, sprachgewandte Griechen,

90 Hiberiens rauhe Völker; auch die Parther 1 )

') Inder, Parther und Athiopen sind tatsächlich niemals von denRömern unterjocht worden.