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Wie ich gebeugt, mit aufgelöstem HaarVoll Jammer deine heil'gen Knie umfasse,Mit Küssen sie bedecke, und dabei
10 Dich meinen Gatten, Herrn und Fürsten heifse,Der in der Welt allmächtig herrscht, vor demDie ganze Menschheit betend niedersinkt! —
Wenn ich, wie einst, in Jugendschönheit prangte,Mit Rosenwangen, wenn das Herz mir feurig
15 Im Busen schlüge, wenn zur Seite mirDie beiden Gatten sehritten, würde leichtDer blofse Anblick, wer ich wäre, kund tun,Die höchsten Fürsten würden mich verehrenUnd meinen Namen braucht' ich nicht zu nennen.
20 Doch da die Rosen meiner Wangen welkten,
Mein Haar des Schmucks beraubt ist, da das AlterDurch vieles Leid gesteigert mein GesichtUnkenntlich macht — vernimm den alten Namen,Der laut die Welt wie keiner sonst durchtönt!
25 Ich heifse Rom. Kennst du das alte Antlitz?Kennst du der Stimme Beben? diese Glieder,
ihre Trauer, ihre Sehnsucht ausdrückt, ihm aber auch ihre Hoffnung unddie innige Freude über das bevorstehende Wiedersehen vortrügt.
So fern uns die hier verhandelten Interessen heute liegen und sowenig das Bild von der Ehe zwischen Papst nnd Rom und Kaiser undRom uns heute anspricht, hat P. doch verstanden unser Mitgefühl fürdie Verlassene zu erwecken und uns ihre Leiden und Freuden, ihre Trauerüber den Verlust einstiger GrüTse nachempfinden zu lassen. Wir nehmendaher die etwas ruhmredige und breit ausgeführte Schilderung der MachtRoms im Altertum v. 75—110 mit in den Kauf und empfinden noch heute,einen wie grofsen Eindruck ein solches Gedicht auf die Zeitgenossen ge-macht haben mufs. Es wurde eben P. hierbei nicht nur von einer lyrischenEmpfindung getragen, sondern er fühlte als warmer Vatorlandsfreund, alsbegeisterter Verehrer Roms bitteren Schmerz über die bestehenden Ver-hältnisse und richtete sieh gern und freudig an dem Bilde einer besserenZukunft auf. Er gehörte noch zu denen, die an dio Verwirklichung dosmittelalterlichen Ideals glaubton, dafs Kaiser und Papst gemeinsam ein-trächtig die Christenheit regieren könnten, vgl. L. Geiger, Petrarca,p. 164 ff. — Rossetti III, 317 IV, ann. 1 macht im Gegensatz gegen de Sadees wahrscheinlich, dafs das Gedicht 1386 geschrieben sei; dann gehörtes zu den frühesten der Sammlung.