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Dich wieder aufsucht. Heut' erscheint sie nur,Wie damals sie in zarter Jugend war,Bevor sie ins Gemach den Spiegel stellte,95 Um sich das Haupt, das lose Haar zu schmücken.Du hast sie stets geliebt; ihr ernstes LiedSowie ihr Tändeln schufen Wonne dir.So nimm auch heut, was sie bescheiden bietet,Mit Güte auf; denn bis ich Grössres schaffe,100 Sei dir der Jugenddichtung Kranz geweiht.
2. An Benedict. XII. 1 )
(Erster Brief.)
Erhabner Vater, dem Verdienst und Tugend
Und Herzensreinheit über Land und Meer
Die höchste Herrschaft gab, dem Gottes Allmacht
Und des Geschicks unwandelbarer Eatschluls
Der Welten Zügel tibertrug, die fest
In deinen Händen ruhn — o sieh mich an,
') Benedict. XII. (Jacob Fournier) wurde am 20. Dezember 1334Papst in Avignon. Die Stadt Rom, durch die schon 20 Jahre dauerndeAbwesenheit der Päpste in ihren Interessen schwer benachteiligt, hatteden dringenden Wunsch, dafs der Papst sie wieder zur Residenz wählenmöchte. Sie flehte daher durch eine Gesandtschaft den neuen Papst an,zu ihr zurückzukehren; bekanntlich ohne Erfolg, da den Päpsten die zueinem solchen Schritte nötige Unabhängigkeit fehlte, wenn auch Fourniersein Vaterland Frankreich zu verlassen geneigt gewesen wäre. — P. be-müht sieh in dem vorliegenden Gedichte, die Bitten Roms zu unterstützen.Er führt dabei die Stadt Rom als redend ein und zwar als die Gattin desPapstes, der sie verlassen. Diese Vorstellung findet sich in den Briefenmehrfach; auch zu Paolo Annibaldi Ep. II, 12 spricht die Stadt Rom alsGreisin, als Mutter; als Gattin redet sie in dem zweiten Gedichte Ep. 1,5ebenfalls Benedict XII. an; auch zu Clemens VI. redet sie Ep. II, 5 als Gattin.Nach einer im Mittelalter ganz gebräuchlichen Auffassung hat Rom zweiGatten, einen geistlichen, den Papst, und einen weltlichen, den Kaiser.Vgl. im vorliegenden Gedichte v. 10 die beiden Gatten und v. 208 ff.
P. benutzt mit viel Geschick und Gefühl das Motiv von der ver-lassenen Gattin, die dem immer in der Ferne weilenden Gemahl ihre Not,