Uns mancher Strom, trennt uns der Apennin.
30 So mufs von fern ich dich begrüfsen, mufsDer Brust Geheimnis anvertraun dem Briefe.Von manchem schweig' ich; nicht, weil's Mühe macht,Allein es scheut den unbescheidnen BlickEin zart Geheimnis; dreisten Blick verträgt
35 Nur das Entweihte.
Was du einst gewünscht,Send' ich dir heut; von meinen losen LiedernEin Bruchstück, Zeugnis gibt's von müss'ger Zeit.Lies, lieber Freund, und du wirst bald erkennen,Dai's tollkühn, ohne wahre Geisteskraft,
40 Ich leichte Schwingen regte, Ruhmsucht mich,Den Unerfahrnen, jäh vom Neste triebUnd mich zu Himmelsfernen steigen liefs.Wie reut das Wagnis mich! Wie möcht' ich gern,Wär's möglich, rückwärts tun den Jugendflug,
45 Im Nest mich bergen, bis der Zeiten Lauf
Mir Kraft gegeben! Doch schon kennt die WeltDen Sänger, seines Ruhmes Göttin eilteVerhängten Zügels dem Verdienst voran.Wie mir's im Busen stürmte, wie der Neid
50 Mich zäh bekämpfte, wie ich zärtlich bangte
— Mein schüchtern Lied aus zarter Jugendzeit —Das lies! Da lies von Tränen, lies von Pfeilen
Des Götterknaben, der mich Knaben 1 ) traf!-------
Doch langsam löscht das Alter alles aus,Das Leben bringt uns Tod, Vergehn das Bleiben.Betracht' ich selber mich — ich ward ein andrer;Gesicht, Gewöhnung, Denkart — sie sind andre;Der Stimme Ton, die Sorgen selbst sind andre;
Da P. aber von 1351—1361 sich bei den Viscontis in Mailand, 1361 inPadua, 1362 in Venedig befand, dürfte er unter „Wiege" hier nicht sowohlMantua allein, als vielmehr ganz Ober-Italien verstehen.
0 Am 6. April 1327, angeblich an einem Karfreitage, erblickte P. inder St. Clarakirche zu Avignon zum ersten Male Laura. P. stand damalsim 23. Jahre. Das lateinische puer puero seinen die Beibehaltung des WortesKnabe zu erfordern. Auch ist zu bedenken, dafs seitdem mindestens35 Jahre vergangen waren.