Der Personalkredit des lnndl. Kleingrundbesitzes im Großherzogtum Hessen. 389
VI.
Eine weit größere Bedeutung für die Befriedigung des landwirt-fchaftlichen Personalkredits und für die Bekämpfung des Wuchers alsalle diese Einrichtungen haben die ländlichen Spar- und Darlehns-k äffen nebst den anderen Arten von ländlichen Genossenfchaften in Hessenerlangt. Während die Darlehnskaffen den Wucher überflüfsig machten,entzogen ihm Einkaufs» und Verkaufsgenoffenfchaften für weite Gegendenseine bequemsten Handhaben. Der Ausbildung der ländlichen Genosfen-fchaften, die gerade in Hessen mit feinem zerfplitterten Besitz eine dringendeNotwendigkeit waren, haben sich feit 30 Jahren hervorragende Männerangenommen, und die Folge ist, daß Hessen heut von allen deutfchenLandfchaften das dichteste Netz ländlicher Genossenfchaften ausweist.
Vergleicht man die Anzahl der landwirtfchaftlichen Genossenfchaftenin den einzelnen Ländern mit der Grüße der landwirtfchaftlich benutztenFläche, fo ergiebt sich, daß am 1. Juli 1895 eine Genoffenschaft kommtin Hesfen auf 961 (978) na, — die Zahlen in Klammern sind die-jenigen vom 1. Juli 1894 -, in Bayern Irhn. auf 1019 (1303), inWaldes auf 1170 (1170), in Württemberg auf 1376 (1438), in Olden-bürg auf 2428 (2428), in Baden auf 2483 (2613), in Sllchfen-Weimarauf 2567 (2803), in Bayern rrhn. auf 3207 (3674), in den ThüringifchenStaaten auf 3713 (4149), in den Hanfastädten auf 3922 (5603), inElfaß - Lothringen auf 4382 (4759), in Schaumburg - Lippe auf 4424(4424), in Braunfchwcig auf 5047 (5192), in Lippe auf 5017 (5017),in Preußen auf 5176 (6689), in Mecklenburg-Schwerin auf 6152 (6774),in Mecklenburg - Strelitz auf 9648 < 10631), im Königreich Sachfen auf10997 (14432) und in Anhalt auf 13313 (13313) na. Im DeutfchenReich kommt eine Genossenfchaft auf 3831 (4554) da. Innerhalb derpreußifchen Monarchie hat folgendes Verhältnis statt: es kommt eineGenossenfchaft in Hessen-Nassau auf 1256 (1691), in Rheinpreußen auf2240 (2823), in Westfalen auf 3026 (3244), in Hannover auf 3429(3766), in Schleswig-Holstein auf 3741 (3810), in Sachfen auf 6870(8566), in Hohenzollern auf 7152 (7152), in Schlesien auf 7183 (13566),in Ostpreußen auf 8709 (10925), in Brandenburg auf 11498 (26350),in Pommern auf 12176 (18049) in Posen auf 16097 (24146) und inWestpreußen auf 16912 (20008) b.^.
' Nach dem „Jahrbuch des Allgemeinen Verbandes der deutschen landwirt-schaftlichen Genossenschaften für 1895", Offenbach a. M. 1896.