Einleitung.
Die im Jahre 1887 unter der Aufschrift „Der Wucher aufdem Lande" von dem Verein für Socialpolitik veröffentlichten Berichteund Gutachten in Verbindung mit der Thätigkeit von Vereinen, welchesich die Bekämpfung des Wuchers zur besonderen Aufgabe machten, habendie Aufmerksamkeit weiter Kreifr auf den Mißstand gelenkt, daß für dieBefriedigung des Kreditbedürfnifses der geringer bemittelten und namentlichder vorwiegend auf Personalkredit angewiesenen Voltsklassen nur inörtlich sehr beschränktem Maße geeignete Vorkehr getroffen war. Es brachsich die Überzeugung Bahn, daß geordnete Gelegenheit zur Erlangungkleiner Darlehen für kleine Wirtfchafter volkswirtschaftlich nicht minderwichtig ist, wie hoher Kredit für große Verhältnisse. Denn auch dem <kleinen Mann ermöglicht erst ein geregelter und festgefügter Kredit die Hwirtfchaftliche Verwaltung seiner Habe. Daß für den Großkredit —und 5auch für den Realkredit — weit früher und besser gesorgt war, als für Zden Kleinkrcdit, erklärt sich höchst einfach dadurch, daß die Ausleihung,Überwachung und Wiedereinziehung hoher Beträge mit geringerer Müheund Gefahr und mit weniger Kosten verbunden ist, als die Gewährungniedriger Darlehne an weniger Bemittelte, welche neben aller übrigenArbeit immer auch noch bei Vereinbarung der Rückzahlungsbedingungeneine Berücksichtigung der individuellen Verhältnisse nötig macht. In denmeisten Gegenden Deutschlands lag die Befriedigung des Kleinkredits nochin den^Miidcn priVater.,VeNiW^IU.nd in einzelnen Landesteilen hatteder Mißbrauch des Übergewichts, das der Gläubiger dem Schuldnergegenüber geltend zu machen imstande ist, zu geradezu schreienden Zu«ständen geführt.