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1 (1896) Süddeutschland
Entstehung
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Kritik der in d. Pfalz bestehenden Organisation d. ländlichen Personalkredits. 265

erhalten müssen, ohne die auch ein lokales Kreditinstitut leicht in großeGefahren geraten und der Wohlstand einer Gemeinde auf Jahre hinausbedroht werden kann. Umsomehr ist es geboten, bei der Gründung bezw. vorderselben die Umschau nach den geeigneten Persönlichkeiten und nach denGarantieen für die gute kaufmännische Verwaltung des neuen Institutsmit Sorgfalt zu halten. Auch bei sorgfältigster Umschau ist selbstver-ständlich ein Irrtum in der Wahl der Persönlichkeiten nicht ausge-schlossen.

Bei der durchschnittlich erheblichen Intelligenz der pfälzifchen Be-völkerung mögen die einer allzu lebhaften Gründungsthätigkeit entgegen-stehenden Bedenken vielleicht unberechtigt sein. Die Erfahrungen dernächsten Jahre werden hierüber Belehrung bieten.

Für einen gründlichen Einblick in die Thätigkeit der ländlichenPcrsonlllkrcditinstitutc ist die Kenntnis der Originalbilanzen und einesehr sorgfältige, thunlichst detailliert gearbeitete Statistik, wie sie nurdurch die Fürsorge der Vcrbandsleitungcn unter Mitwirkung der Revi-soren hergestellt werden kann, nicht minder eine Kenntnis der Revisions-protokolle, von größter Wichtigkeit. Es ist anerkennenswert, daß manvon jeher bei den Perfonalkreditvereinen nach dem System Schulze-Delitzsch der Statistik eine erhebliche Aufmertfamkeit zugewendet hat undes ist zu hoffen, daß der Wert einer eingehenden, der öffentlichen Kritikleicht zugänglichen Statistik auch bei allen anderen Arten genossenschaft-licher Bildungen allmählich richtig erkannt wird. Nichts verscheuchtunberechtigtes Mißtrauen so rasch und so leicht, wie die öffentliche ziffer-mäßige Klarlegung der Geschäftsgebaren..

So lange die genossenschaftlichen Organisationen außerhalb dcr Schulze-Delitzsch-Vereine noch eine geringere Verbreitung hatten, so lange dieselbennoch nebeneinander standen ohne inneren Zusammenhang, lediglich alslokale Vereinigungen, solange sie noch nicht zu Centralkassen sich zu-sammenschlössen und die Umsätze unbedeutend waren, konnte man derFrage der Bilanzveröffentlichung, der statistischen Gruppierung nachwissenschaftlichen Grundfätzen, relativ gleichgültig gegenüberstehen. Aberdieser Zustand hat sich, zum Vorteil des Genossenschaftswcfens, geändertund heute besteht ein öffentliches Interesse, daß die Bilanzen (mit Gewinn-und Verlust-Conti) auch der Genossenschaften, nicht minder der Central-gcnofsenschaften, zu welchen sie zufammengefchloffcn sind, in einem jedemleicht zugänglichen Organe publiziert werden. Ich glaube, daß alleFreunde des Gcnossenfchaftswcfens in allen seinen Verzweigungen dieFrage des Publikationszwangs für die Bilanzen in Erwägung ziehen