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in der Dämmerung stehlen zu müssen. So bemüht sich derschllffenseitle Kaltsinn: die lügnerische Empfindsamkeit als denNllturlaut der Empfindung und — die eigennützige Verständig-keit für jene Weisheit der Lebensbetrachtnng auszugeben, dieeinzig aus dem Widerstreite der Leidenschaften und dem Spieledieser letzteren gegen die sie umgebende Welt erblühen kann.
Die Poesie ist die Kunst der in Gedanken ausgeprägtenEmpfindungen. Selbst das kleinste Lied erhebt als erste Vor-bedingung zu seiner Entstehung den Anspruch, in einem ausirgend einer Empfindung heraus geborenen sinnvollen Gedankenzu wurzeln. Es ist darum auch thöricht, wie das so häusig ge-schehen, von einer Gedankendichtung' als etwas Besonderem zusprechen und dabei diese in einen Gegensatz zu Gedichten andererArt — wohl gar zu solchen ohne Gedanken? zu versetzen. Ge-dankendichtungen sind sie alle. Freilich muß dem Gedanken auchstets eine wirkliche Empfindung unter liegen. Man mag denUmstand, daß 7 x 7 -- 49 sei, in noch so bezaubernde Wortekleiden — diese an sich rein verstandesmäßig gewonnene, höchsttrockene, wenn auch unumstößliche Thatsache mag durch Versund Reim erhöhten Liebreiz erhalten, aber solches hat ganzund gar nichts mit der Poesie zu schaffen, denn eine derartigeVerslerei ist eben lediglich eine kurzweilige Spielerei des Witzes.Zum Inhalte eines echten Liedes taugen ausschließlich in Ge-danken umgesetzte, mittelbare und unmittelbare Empfindungen.Eine folche Empfindung muß nachzuweisen sein, oder wir stehenvor einer bloßen Reimerei.
Wenn der Gras Moritz Strachwitz singt:
Wie gerne dir zu Füßen
Sing' ich mein tiefstes Lied,
Indeß dlls heil'ge Abendgold
Durchs Bogenfenster sieht.
Im Takte wogt dein schönes Haupt,
Dein Herz hört stille zu,
Ich aber falte die Hände
Und singe: wie schön bist du!