86
Frechen Sinnes stahl des Iapetus
Sohn den Menschen znlieb vom Oltunp das Feuer;
Hoch zum Äther hinauf wagte sich Dadalos
Auf künstlich gefertigtem Flügeldaar —
Und in den Acheron drang Herkules' Heldenwahn!
Nichts erscheint den Sterblichen allzusteil:
Selbst den Himmel erstrebt unsere Thorheit —
Nicht wahr? der Bierphilister, wie er leibt und lebt! wieer in seinem fettig glänzenden Felle hinter dem Seidel sitzt, dieVölker und Könige zu richten! wie ein jedes Trachten über seingemeines Maß ihm Granen verursacht! wie er jeden von ganzerSeele haßt, der mehr ist als er und Höheres anstrebt! wie erendlich triumpsiert, wenn es mit solchen Waghälsen und Frevlernübel abläuft! Ist es nicht genug, für sich zu sorgen, Falernerzu trinken und Kanidia zu lieben? Welch ein Übermut, auchnoch für andere uud an anderes zu denken und felbst einenKampf mit Göttern nicht zu scheuen! Wie dem Klugkoser nurzu Mute geworden wäre, hätte er nach den Schiffen auch nochdie Zeit der Dampfrosse, Kanonen und gar der Blitzableitererlebt? Der Blitzableiter! die in der That den grollenden Zeusnötigen, seine Blitze dorthin zu lenken, wohin nicht er, sonderndie Menschen es wollen — welche Gottlosigkeit! Einmal hatteder fromme Dichter gescholten:
Unsere Missethat gestattet es nicht,
Daß der zürnende Gott dem Donner entsage —
und siehe da! jetzt: Zeus unter der Vormundschaft! Das gehtdoch über alles Maß! Hans Zagefuß würde gewiß jede Lustzum Leben verlieren, oder aus Ärger über solche Maßlosigkeituns das Lied vom — beschrankten Unterthanenverstande singen.Ja, unser herrlicher Horaz würde seinen Beruf vollauf verstandenhaben! In Gedichten, wie dieses letztere, zeigt der geistige Blickeine solche Stumpfheit, erscheint die Gemütsstimmung von soalberner Dumpfheit, daß man sich allen Ernstes fragen möchte:hat sich der Mann nicht vielleicht einen Spaß gemacht? Aber