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Dichterische Idole : Heine, Horaz
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Sei maßvoll! ein ausgezeichnetes Wort, so lange manan die Lebensverrichtungen der tierischen Ordnung denkt: seimäßig beim Essen, Trinken, Schlafen und anderen Dingen deinerLeiblichkeit! aber diese sind hier nicht gemeint, wie leicht ausder Bilderjagd, die zur Veranschaulichung des Gedankens ver-anstaltet wird, zu entnehmen ist, sondern ausschließlich die mensch-licheren der Seele und des Geistes und sofort trübt sich dieAussicht; und am schlimmsten hapert's, wenn man die Anweisungauf das rein moralifche Gebiet verpflanzt. Sei maßvoll in derAusübung der Tugend! sei maßvoll in der Hingabe an dasLaster! Nun kennen aber Laster wie Tugend immer nur einMaß, ihr Maß: man bleibt bis zur letzten Silbe wahr, oderman hat gelogen; es giebt keine halbe oder dreiviertel, es giebtstets nur eine ganze Wahrheit, und selbst die kleinste Abweichungvon dieser ist Lüge; und es ist im moralischen Sinne völliggleichwertig, ob die Unwahrheit einer Krone oder einer Küchen-schürze halber gesprochen wurde. Die Menschen lügen überhauptzumeist nur aus Rücksicht für sich; und der Vorschlag, mäßigsowohl mit der Lüge wie mit der Wahrheit umzugehen, kämeauf die sittliche Ungeheuerlichkeit heraus: lüge, so oft es diroder den Freunden nützt und niemandem schadet, kann mannicht mehr Hinzufetzen, weil bei den menschlichen Beziehungenzu einander des einen unrechtmäßiger Nutzen des anderen Schadesein muß. Der niedliche Leibspruch eines sattelfesten Egoismus!Du sollst gerecht sein, doch siehe dich vor! Wieso sich vorsehen?Du wirst doch nicht gerecht sein wollen, wenn es dir schadet? Daswäre die Mäßigkeit in rein moralischer Beziehung! Gönnen wiruns dazu ein paar Gedanken über die lediglich schaffende Natnr desMenschen. Im Grunde hat ein jeder von uns, seinen natürlichenKräften gemäß, eine Aufgabe zu erfüllen; dementsprechend, waser innerlich ist, muß er. Es ist albern zu verlangen: InliusCäsar hätte Augustus sein müssen, und Alkibiades wie Sokratesleben sollen; das hieße völlig die Kraft der Leidenschaft und dieUnabänderlichkeit des Charakters verkennen; ein jeder thut schließ-

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