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Dichterische Idole : Heine, Horaz
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Denk', o Mensch, an deinen Tod!Säume nicht, denn Eins ist not:

Nur ein Herz, das Gutes liebt,Nur ein ruhiges Gewissen,Das vor Gott dir Zeugnis giebt,Wird dir deinen Tod versüßen

Wer hat das bessere getroffen? Ein ewiger Streit! Horazsagt: du mußt sterben, darum erhalte dir immer ein gleich-mütiges Wesen warum? es klingt wie ein Rätsel! Geliertsagt: du mußt sterben, darum sei gut. Jedes für sich bedeuteteine Weltanschauung; und zwischen beiden liegt ein Abgrnnd.Wenn der Lateiner noch wenigstens geraten hätte: was auchimmer geschehen mag, bleibe gefaßt, denn alles geht einmalvorüber so wäre das, wenn anch eine Weisheit dritter Güte,doch zum wenigsten auf der Stelle verständlich. Aber! da dusterben mußt, so sei darauf bedacht, dir stets eine gleichmäßigeLaune zn bewahren- ja warum? Das ist es! nur der Ver-stand des Verständigen kann hier das Dunkel heben; und unsertrefflicher Horaz thut es schon in der dritten Strofe:

Wort wo die hohe Fichte der silbernen Pavvel

Die Äste zu gastlichem Schatten reicht,

Wo in gewundenen Ufern der flüchtige Bach

Rauschend die hellen Gewässer treibt,

Dort schaffe Wein und Salben und Rosen hin!

Darum also! um genießen zu können, darst du niemalsden Gleichmut verlieren, sonst ist es nichts damit. Es stimmt,stimmt auffallend! Da hätten wir ja endlich die goldene Lebens-regel der Verständigkeit, den Schluß aller ihrer Weisheit: weildu sterben mußt, so fei die Aufgabe deines Lebens derGenuß. Es lassen sich solche Grundsätze heutzutage nur schwerlehren: aber man befolgt sie um so lieber und thut dies ganzaus eigenem Dränge, seiner Eigenart und seiner Lebensauffassunggemäß. Haben die Voraussetzungen des bloßen Verstandes vollesRecht, so ist auch eine jede verständige Folgerung fürderhin