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so mutz sich doch die Ironie hier selbst dem Dickfelligen em-pfindlich machen. Dafür tobt die Genuß- und Rachsucht über-mächtig und ohne Erschlaffung bis zu seinem letzten Lebens-stündlein in ihm; und nicht ohne Grauen vermag man imRomanzero — der übrigens die gehaltvollsten, in demgroßen körperlichen Leiden, das ihn befallen, tiefer gefärbtenProben seines dichterischen Könnens enthält, zu lesen: wiein der Phantasie dieses gelähmten Mannes, der kein Gliedmehr zu regen vermag, dem das eine Auge ganz geschlossen,das andere nur noch zur Halste offen ist, alle Gestaltenfrüherer Sinnenlust bis zur aufstöhnenden Qual wieder lebendigwerden. Und nicht minder entsetzlich offenbart sich sein Rache-durst. Von einem Schmerzenlager aus, auf dem er hoffnungs-los dahinsiecht, und auf dem er für jede nächste Sekunde dieErlösung herbeisehnen sollte, findet er noch die schrecklicheEnergie zu folgenden Versen:
Nicht gedacht soll seiner werden!Nicht im Liede, nicht im Buche —Dunkler Hund, im dunleln Grabe —Du verfaulst mit meinem Fluche,
Allein Lüsternheit und Haß haben mit ihm sterben müssen,und nur den Glanz seines unfehlbaren Witzes hat der Hauchder sonst so unerbittlichen Zeit nicht zu trüben vermocht.
Es würde ausnehmend wenig Tiefblick verraten, wenn manangesichts Heine's, wie das so oft unverftändigerweise geschieht,von ihm als von einer wahrhaft diabolischen Persönlichkeit, dievorwiegend ihre Lust nur am Bösen gehabt hätte, sprechen wollte.Nichts irriger als das! Heine war nicht im entferntesten eine bos-hafte Natur; er war im Gegenteil, moralisch genommen, ge-wöhnlich wie die ganze große gemeine Welt, dazu überwiegendgutmütig, ja vertraglich, aber zugleich auch in allem, was seinePerson nnd sein Dichten anbetraf, im äußersten Maße empfiud-lich. Daß er dies letztere als gewöhnlicher Mensch war, derimmer einen schlagfertigen Witz zur Hand hatte: diefer Um-
Maueihof, Dichterische Idole, 5