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Dichterische Idole : Heine, Horaz
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wahr: gerade seine Satire ist es, die vergleichsweise noch denreinsten Gennß gewahrt; und unser Dichter würde bei all' seinersehr bedenklichen Eigenart gleichwohl als Satiriker zu einer dergrößten Zierden unserer und aller Kunst emporgewachsen sein,hätten sich eben seinem Wesen der Ernst und die Tiefe der Em-pfindung nicht nahezu gänzlich versagt. Denn die Eigenschaften,die in ihm vornehmlich wirkten, sein eigentliches, moralisches undgeistiges Wesen ausmachten und beinahe ausschließlich in derFolge sein ganzes Dasein bestimmten, waren: Genußsucht, Eitel-keit, Rachsucht uud der — Witz. Daneben vermochte er freilichauch mit den empfindsamsten Herzchen noch um die Wette zuschwärmen, aber diese gelegentliche Schwärmerei für alles Gute,Schöne, Reine, Erhabene hat es wohl zu Worten, jedoch nie inihm zu erheblichen Thaten gebracht. Als so Gestalteten hat ihnder letzte wie der erste Tag seiner Dichterin ufbahn gezeigt. Amleichtesten wiegt noch seine Eitelkeit. Er hat ehrlich geglaubt,daß dies schon den großen Dichter mache, erheuchelte Gefühlein die denkbar klingendsten Worte zu kleiden, aber er ist sichdes ungeheuern Auslandes, der beispielsweise zwischen Götheoder Shakespeare — und ihm besteht, wohl bewußt gewesen undhat solches in seinen klarsten Augenblicken auch ganz unver-hohlen ausgesprochen. In seinem reichlichen Selbstlob liegtviel Schelmerei. Wenn er z. B. die Damen der Pariser Gasse,die Hortense, Clarisse, Angelique, Diane und viele andere nochum sich versammelt und dann tänzelnd die Saiten schlägt, umeinem solchen Kreise von Sittscimkeit und Zucht kokett ein Preis-lied seiner Keuschheit vorzuträllern:

Schon knospet die Jugend, welche verstehtDes Dichters Stolz und Güte,Und sich cm seinem Herzen wärmt,An seinem Sonnengemüte.

Mein Herz ist liebend wie dlls LichtUnd rein und keusch wie das Feuer;Die edelsten Grazien haben gestimmtDie Saiten meiner Leier —