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Dichterische Idole : Heine, Horaz
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meinen Lügen, die er zum Ärger der Freundin Börne's, derFrankfurtern Frau Wohl, erfand, sind die glänzendsten Belegeeines ebenso treffsicheren wie gewissenlosen Witzes, und recht-fertigen vollauf den Abscheu, mit dem gerade der beste Teil derGesellschaft auf diesen Dichter bis ans den heutigen Tag herab-sieht. Bleibt man all' dessen eingedenk, so will es doch scheinen, alsob eine Heinesche Denkmalsfrage für Deutschland ihre ganz be-sondere Schwierigkeiten hätte.

Der Fall ist nicht neu, daß eine Nazion in die Lage kommenkann, selbst dem Würdigsten kein Denkmal setzen zu dürfen. Zudiefen Würdigsten gehört nun freilich nicht Heine, dafür aber Hein-rich von Kleist. Und doch hat es noch niemand in Deutschlandgegeben, der es gewagt hätte, ein Denkmal für letzteren in An-regung zn bringen. Die Sache liegt einfach genug. Mit einemDenkmal will sich doch eigentlich immer nur das Volk selbst,in dem ein großer Mensch gelebt und gewirkt hat, ehren. Nunhat aber die grausamste Nichtachtung seitens der eigenen Lands-leute das größte dramatische Genie neben Shakespeare —- unddas ist Heinrich von Kleist — thatsächlich in Verzweiflung undin den Tod getrieben. Solches aber bedeutet für eine Nazioneine nnverwindliche Schmach: und man kann doch nicht dereigenen Schmach zu Ehren ein Denkmal errichten? Selbst dasdürftigste Anstandsgefühl müßte sich dagegen empören. MitHeine liegen die Dinge erfreulicherweise völlig anders, obschondas Endergebnis das gleiche bleibt: denn nicht die Nazion istes hier, die sich ihm gegenüber ins Unrecht gesetzt hat; vielmehrist er es gewesen, der den vollen Glanz seines Witzes aufgebotenhat, um nicht Einzelne, nicht Stände, nicht Gesellschaftsklassen,nicht Einrichtungen, sondern die Deutschen in ihrer Gesamtheitals Volk, in so unwiderstehlicher Art lächerlich zu machen —die man gut und gern klassisch nennen muß, die auch der davonBetroffene in freier Laune mitgenießen mag, für die man aberanständigerweife sich nicht dankbar erweisen darf. Denn einHeinedenkmal wäre doch nur eine Quittung für erwiefene Wohl-