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Lorelei geschehen, der vorgeblich mit diesem Gedichte etwasEinziges der Art geschaffen hätte. Daß weite Verbreitung undbegründeter Ruhm noch keineswegs immer dasselbe seien, daßunser aller Bekanntschaft mit den Heineschen Versen so gutwie ausnahmslos erst von der Silcherschen Weise her datiert,daß unter den vielen elenden Gedichten, die der rheinischeSänger verbrach, die Lorelei eines der elendesten ist und so manchenanderen wie den zwei Grenadieren, Belfatzar u. s. w.in jedem Betracht weit nachsteht — das zu erkennen, auszu-sprechen und nachzuweisen, fiel keinem, weder hüben noch drüben,ein: und die Literaten allerletzten Ranges durften ungehindertihr albernes Gefchrei erheben, werben und reiche Gefolgschaftfinden. Die Herrlichkeit der Lorelei läßt sich als fchauer-licher Schwindel nur noch mit der beliebten Allgemeinschäd-lichkeit der Juden vergleichen. Der Glaube an beide ent-stammt allerlei Zufälligkeiten, die aber geeignet waren, denSchein wirklicher Thatsachen zu erwecken, allerlei gewollten oderauch ungewollten Mißverständnissen, allerlei stark empfundenenBedürfnissen nach persönlicher Reklame, allerlei Neigungen, Em-pfindlichkeiten und Schmerzen, die den gesellschaftlichen Körperimmer peinigender beunruhigten und nur auf das Stichwortwarteten, um sich alsdann über die neugeöffnete Bahn indrängenden Wogen zn ergießen. Es bedürfte in beiden Fällennur eines weittragenden Tones, und der Erfolg war gesichert.Es genügte die stolze Frechheit eines einzigen, aber weitver-breiteten Blattes, die den aufhorchenden Germanen weiß zumachen verfuchte, daß in der Heinefchen Lorelei wie in keinemanderen Gedichte das tränmerifch sinnige Wesen des Deutschenzur Verklärung gediehen — und sofort plapperten Millionenempfindfamer Narren, von denen kaum hundert das Liedchen jeseinem Wortlaute nach kennen gelernt hatten, den grauen-haften Unsinn blindgläubig nach. Je lauter der Schrei, destoandächtiger pflegt sich auch der Pöbel zu sammeln. Und ähn-lich erging es den Juden. Es bedürfte auch hier nur eines