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lichen Schilderung, das Bild selbst in verschwommener Zerrissen-heit; von der Hauptsache, dem Gesänge, bekommt man nichts zuhören — dafür wird uns die goldene Pracht der Jungfrau nach-drücklich zu Gemüte geführt; zwar verlautet es: das Singenhätte Kahn und Schiffer zum Sinken gebracht, aber man steuertdoch nicht mit den Ohren und hört mit den Augen — fo wares am Ende doch vielleicht das viele Gold, dem die qualvolle»,stummen Blicke des jungen Mannes galten? Diefe Erklärungwäre die Nächstliegende.
Was übrigens den Sänger der Lorelei anbetrifft, so istdies gar nicht Heine, sondern Friedrich Silcher; auch ist dasHeinefche Liedchen kein uraltes Märchen, ganz im Gegenteil eineneueste Erfindung von Clemens Brentano, die zwar langatmig,aber sonst in jedem Betracht sinnvoller ausgefallen ist als diespätere Bearbeitung. Jemals bekannter zu werden, hat dieseletztere in keinem Sinne verdient, und wäre es auch nie ge-worden, hätte ihr die Tonweise Silcher's nicht Schwingen ge-liehen, um über Gebirg' und Meer zu fliegen. Damit sollkeineswegs der größere Ruhm der Melodie verkündet werden —letztere ist vielmehr echter, rechter, empfindsamer Vänkelscmg,nicht von der rohesten Art, aber doch noch bis zn einem GradeBänkelsang, daß eben die ganze Welt ihn ohne Anstrengungnachzusingen vermag. Darin wurzelt die weltweite Verbreitungdes Liedes. Die Bekanntschaft mit ihm hat sich alsdann beieinem Besuche der gepriesenen Rheinufer noch weiter belebt undromantisch erhöht, und es bedürfte zuletzt einzig des Denkmalstreites,um die ganze stolze Garde der Empfindsamen zn veranlassen,sich um ihren Liebling als den — Dichter der Lorelei lärmendzu scharen und die letztere mit einer Art von Berechtigung alssein herrlichstes Werk aus unermüdlichen Lungen zu feieru.Wie man Güthe den — Dichter des Faust, Shakespeare den —Dichter des Hamlet nennt, um in solcher Weise zugleich derenhöchsten, alles andere überragenden dichterischen Wert auszu-drücken, so sollte solches auch fortan mit dem — Dichter der