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Aber erstens besteht eine Art von Verwandtschaft in beider Be-gebenheit, und zweitens ist der Hinweis eine Notwendigkeit ge-worden, seitdem literarische Trottel die Dreistigkeit gefundenhaben, als ebenbürtige beide Dichter miteinander zu vergleichen.Was Heine in seinem Gedichte sagt, ist nackte Alltäglichkeit: daskann, von Vers und Reim abgesehen, ohne jegliche Anstrengungein jeder sagen. Was und wie Göthe dagegen spricht, das undso vermochte nur Einer in der ganzen Welt zu sprechen.Heine versteht nur prahlerisch von der gewaltigen Melodei seinerLorelei zu berichten. Goethe prahlt gar nicht, und läßt dafürlieber das Weib selbst singen:
Labt sich die liebe Sonne nicht,Wer Mond sich nicht im Meer?Kehrt wellenatmend ihr GesichtNicht doppelt schöner her?Lockt dich der tiefe Himmel nicht,Das feuchwertlärte Blau?Lockt dich dein eigen AngesichtNicht her in ew'gen Tau?
Klingt das nicht, als wäre die Muse der Poesie selbst voruns erschienen? Auf die gewaltige Melodei der Lorelei ant-wortet der Schiffer im kleinen Schiffe mit einem — wilden Wehund einem — stummen Blick in die Höh! wovon das eine albern,das andere nichtssagend ist. Als jedoch der Fischer das schöneWeib vernommen hatte, da
Wuchs ihm sein Herz so sehnsuchtsvollWie bei der Liebsten Gruß.
Ist das nicht bei aller Herrlichkeit des Ausdruckes nur selbst-verständlich, ganz natürlich uud völlig gesund? Der Vor-gang in Göthe's Fischer ist lebendigste Handlung, die sich ineinem klaren, einheitlichen, scharfumrissenen Bilde abspielt; allesdrängt sich auf das Wesentliche zusammen, nämlich den Gesang;und das Weib singt so, daß keiner von uns zu widerstehen ver-möchte. In der Lorelei besteht der Vorgang in einer schwach-