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Dichterische Idole : Heine, Horaz
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Schon der Anfang ist ein voller Triumpf der Empfindsamkeitund ein Zeugnis der Schwache. Der machtlose Dichter verflichtfchon im voraus eine Stimmung anzuregen, die das Liedchenfür sich allein mit feinem schwächlichen Inhalte gar nicht zuerzeugen vermag, ja! deren Gegenteil fönst so gut wie gewißist. Dann heißt es:

Die Luft ist kühl!Das ist wunderlich. Die Schwüle der herrschenden Atmos-färe würde weit eher: warm! oder doch zum mindesten: lau!verlangen. Dazu ist es noch windstill! denn

ruhig fließet der Rhein.

gleichwohl kühl! Da wird sich der Schiffer im kleinen Schiffeeinen Schnupfen holen muffen, zumal er stark erhitzt ist.

Der Gipfel des Berges funkeltIm Abendsonnenschein.

Die schönste Jungfrau sitzetDort oben wunderbar:Ihr gold'nes Geschmeide blitzet,Sie kämmt ihr goldenes Haar.

Sie kämmt es mit goldenem Kamme

Es ist unbegreiflich viel Gold um diese Jungfrau: und daspaßt nicht zur Szenerie, nicht an den Rhein. Daß die Jung-frau goldenes Haar hat und dieses auch mit einem goldenenKamme kämmt, kann man sich noch gefallen lassen, obfchon Zeitwie Ort für eine folche Beschäftigung etwas Befremdliches haben aber daß sie sich auch daneben noch mit allerlei Gold be-hängt, bringt sie in den Verdacht, eher eine Tochter des Orientsals eine liebreizende, deutsche Hexe zu sein. Indessen! sie singt,und ihr Lied

hat eine wundersameGewaltige Melodei.

Wundersam ist gut; gewaltig dagegen ganz schlecht: dennder Gesang in Frage soll ja verführen, aber nicht vergewaltigen.