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Dichterische Idole : Heine, Horaz
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Ausgabe zum Verzweifeln. Denn soll es dem Tonkünstler ohneFehl gelingen, so müßte ihn nicht bloß die gleiche Empfindung,sondern diese ihn cmch in genau derselben Stärke und Schönheitwie den Dichter bewegen. Daher kommt es, daß die herrlichsten,liederartigen Blüten der Poesie sich dem Musiker insofern ab-hold zeigen, als derselbe sie in seinem Werke vollauf nie er-reichen kann. An den Göthefchen Gedichten sind selbst diegelungensten Versuche gescheitert. Es wird immer unmöglichbleiben, zu Worten wie

Über allen Gipfeln

Ist Ruh'.

In allen Wipfeln

Spürest du

Kaum einen Hauch;

Nie Vöglein schweigen im Walde.

Warte nur, balde

Ruhest du auchdie gleichwertige Melodie zu finden. Häufig sind die Gesängeherrlich, zuweilen sogar bezaubernd, im Vergleiche aber fastimmer etwas anderes und darum niemals gleich schön. Eswürde sich ähnlich umgekehrt verhalten, wollte der Dichter einersreigeschaffenen Melodie Worte nachträglich unterlegen. DemTriumpfe der Tonkunst ist darum am besten gedient, wenn sichdieser der Text so unselbständig wie möglich mit nur ungefährerDeutung anschmiegt; je schattenhafter hier der Hinweis, destorücksichtsloser kann sich die Leidenschaft jener gebärden und wird,wenn sie auch zu guterletzt mehr, besseres und anderes aussagte,als der Versler verzeichnete, nur damit berichtigt und aus-geführt haben, was der letztere beabsichtigte und verfehlte.Solchen Bedürfnissen der Alleingewalt kommt das HeinescheLied mit seinem Gefühlsdunkel und glattestem Wortgefüge inbereitwilligster Weife entgegen:

Das Meer erglänzte weit hinausIm letzten Abendscheine;Wir saßen am einsamen Fischerhaus,Wir saßen stumm und alleine.