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das ist das dichterische Dogma der Gesellschaft im großen,denn diese empfindelt nur — der ihr gemäße Ausdruck ist dahereine Mischung von gepfeffertem Sinnenreiz und nebelhafterSchwärmerei: während die Leidenschaft jede seelische Bewegungbei kräftigster Sinnlichkeit in ganz bestimmte, scharfumrissene,klare Gedanken prägt. Daß der Heineschen Muse jenes süß-tönende Wort, dem — Gedanken fern steh'n, in ganz ungewöhn-lichem Maße zu eigen ist, haben die schon gelieferten Probenzur genüge bewiesen. Allein es ist noch ein anderer Umstand,der weit mehr als der erwähnte für die Verbreitung des Heine-schen Namens von wirksamster Bedeutung gewesen, und dieserist: daß die Meister einer schwesterlichen Kunst die glitzernde,aber inhaltsarme Schale solcher Liedchen für würdig genug er-achteten, um in sie die ganze Dämonie ihrer übervollen Herzenzu ergießen.
Die Musik ist eine so selbstherrliche Erscheinung, daß siezu ihrem Verständnisse des Wortes gar nicht bedarf: nur imGefange kann sie desselben nicht entraten; doch auch hier legtsie lediglich unter, aber folgt ihm nicht. Sobald nun dieseeinmal den Ton der Empfindung bestimmt hat, wird sie auchdie Melodie, wofern Kunst dabei im Spiele ist, nach ganzeigenen Gesetzen und in einheitlich geschlossener Stimmung ent-wickeln. Als völlig gelungen, muß sowohl das gesprochene wiedas gesungene Lied ein einziges, klar bestimmtes, in sich harmoni-sches Gefühl zum Ausdruck bringen. Es möchte selbstverständ-lich erscheinen, daß demnach gerade die Erzeuguisse des grüßtendichterischen Genies den Musiker am ehesten dazu verführenmüßten, jene mit seinen Tönen zu verweben. Und in derThat! stünden beide bezüglich ihrer Kunst auf gleicher Höhe, sowürde sich zum erstenmal Wort und Ton vollkommen decken.Aber träfe es sich auch, daß sich dieselben in der Darstellungs-kraft ganz begegneten, so ist doch schwerlich anzunehmen, daßzwei Künstler sich in ihrer seelischen Verfassung je bis zurEinheit näherten: und die verlockende Aussicht wird zu einer