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Dichterische Idole : Heine, Horaz
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auch im Anschauen einer holdseligen Unschuld nie etwa anderesals Freude und Entzücken empfinden wogegen sich die Ge-meinheit freilich sofort mit Abneigung oder Haß erfüllt: dieWehmut findet weder hier noch dort irgend welchen Platz, undwir haben es an dieser Stelle lediglich mit einer gräulichenFratze der Empfindsamkeit zu thun. Das fixe Kerlchen wolltesich auch einmal im Gebete versuchen, und die Grimassewar fertig.

Der Beispiele seien vorderhand genug! Dieselben sind aufsgeratewohl der Fülle gleichwertiger entnommen, wie sie zumeistals duftigste Blüten die: Blumenlesen deutscher Dichtungschmücken. Als Gegenstand unserer Betrachtung haben alsonicht die schlechtesten Erzeugnisse der Heineschen Kunst gedient,sondern ganz im Gegenteil solche, welche die allgemeinereSchätzung als seine herrlichsten bezeichnet. Wie muß es erstmit jenen bestellt sein, die auch in dem Urteile der Welt alselend gelten!

Die Mnse Heine's ist einer herzlosen, gefallsüchtigen undberechnenden Kokette zu vergleichen, die eine glänzende Partiezu machen gewillt ist und dieserhalb, die Männerwelt samt nndsonders zu bethören, ihr biegsames, weiches und doch tönendesOrgan mit großem Geschick aus alle jene Laute der Empfindungstimmt, die sie bisher von anderen schon vernommen hatte. Undes ist ihr geglückt! sie hat sich wirklich einen Mann eingefangen,der immerhin schön, stattlich, und keineswegs bloßer Gimpel ist.Wie es bei solchen Ehen dann geht: selbst der Verliebteste merktes mit der Zeit, was er sich da eingeheimst hat nnd spürt esvon Tag zu Tag mehr. Wenn gleichwohl diese alternde Kirkemit ihren bemalten Wangen und gefälschten Liebestränken nichtden ganzen, fo doch noch immer einen beträchtlichen Teil ihresalten Zaubers sich bewahrt worin ist die Erklärung fürdiese befremdende Erscheinung zu suchen?

Süße Liebe denkt in Tönen,Nenn Gedanken steh'n zu fern