— 26 —
Sie tanzen im lustigen Schwärme;Wir beide liegen in der Gruft,Ich liege in deinem Arme —
das Wird kaum angehen! Die Geisterpflicht ist stärker als dieFaulheit; ihr müßt beide heraus!
Die Toten steh'n auf, der Tag des GerichtsRuft sie zu Qual und Vergnügen;Wir beide kümmern uns um nichts —
du freust dich umsonst, guter Heinrich, das widerspricht allenverbürgten Überlieferungen —
Und bleiben umschlungen liegen.
In diesem überaus sinn- und geschmackvollen Liedchen sollteohne Frage die Inbrunst einer wahren Liebe gemalt werden,die über Tod und Ewigkeit wie überhaupt über jegliche Machtder Welt triumpfiert: und zu diesem Zwecke tauchte der Künstlerseinen Pinsel in die gräßliche Brunst des Leichenschänders.Wiederum ist es das scheußliche Gemengsel von sinnlicher Gierund Leichenduft, vor dem die Einbildungskraft wie vor sicht-baren Eiterbeulen erschaudert. An solchen Gedichten ganz be-sonders ist es erkennbar, aus wie leerem Innern Heine seineWelten schuf; und wie stumpf sein dichterisches Auge war, dasihn diese widerlichsten Zerrbilder eines ausschweifenden Witzesnicht in ihrer wahren Gestalt erkennen ließ: so entstanden sieals eine kalte Grübelei, die weder von der Leidenschaft, nochvon der Phantasie irgend welchen Segen empfing. Er ist sichoftmals des Eindruckes, den seine Gedichte hervorrufen muffen,gar nicht bewußt gewefen. Als ihm sein Freund Moser ein-mal schreibt, daß er bei der Lektüre der Donna Klara vonHerzen hätte lachen müssen, antwortet der glückliche Dichter:„es ist aber gar nicht scherzhaft gemeint" — und fügt dannhinzu: „ allein es geht mir oft fo; ich kann meine eigenen Schmerzennicht erzählen, ohne daß es komifch wird". Hätte Heine nur — ein-gebildete Schmerzen hier gefügt, fo wäre die Erklärung voll-