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delte: so sah die Phantasie des Lesers nur noch Menschen undkonnte infolgedessen an deren Thun und Lassen auch weiter keinenAnstoß nehmen. Unterbleibt diese Umwandlung, so mnß sich derDichter durchaus streng an die Lebensart halten, die solch' be-schränkten Lebewesen eigentümlich ist — oder er bringt es zugrotesken Vorstellungen:
Die Lotosblume ängstigtSich vor der Sonne Pracht,Und mit gesenktem HaupteErwartet sie träumend die Nacht.Der Mond, der ist ihr Buhle,Er weckt sie mit seinem Licht,Und ihm entschleiert sie freundlichIhr frommes Vlumengesicht.
So weit läßt man sich die Sache gefallen. Die Liebschaftdes Mondes und der Lotosblume ist zwar von gesuchter Süßlich-keit, aber im ganzen noch sinnig gedeutet. Kaum jedoch hat sichdiese sromme Blume entschleiert, als sie sich auch schon ge-bärden muß, als wäre der Teufel in sie gefahren:
Sie blüht und glüht und leuchtetUnd starret stumm in die Höh'!Sie dnftet und weinet und zittertVor Liebe und —
wie es sich bei Heine von selbst versteht, vor
Liebesweh.Es ist nur gut, daß es eine Blume ist, die vor Liebe undWeh — duftet! Wahrscheinlich muß sie dies, um ihren Gefühlen— da sie trotz aller Fratzen, die sie im übrigen der Menschenartnachgeäfft hat, sprachlos bleibt — doch in irgend einer Weisefreien Ausgang zu schaffen. Aus dem Veitstänze dieses mono-süchtigen Gewächses ist unter deu Zauberklängen Robert Schu-mann's der erste, schmerzlich süße Liebesrausch einer keuschenMädchenseele geworden: so wird Wort und Unsinn mitleidigvom Meer der Töne verschlungen. Aber nicht bloß Mond undLotosblume, auch Fichtenbaum und Palme lieben sich: