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Dichterische Idole : Heine, Horaz
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Dichter, denn beinahe alle seine Gedichte sind stimmungsleer:und darum hat an ihnen auch nicht die Empfindung, sondernder Witz gearbeitet. Bei jedem rein empfundenen Liede mußman fühlen und zugleich mit eins und ohne Grübelei wissen,was man fühlte. Die Leidenschaft ist in ihrem Ausdrucke stetslicht wie die Sonne, und so auch die Stimmung, die sie erzeugt:wogegen die Empfindelei, die nur künstlich vermittels des Ver-standes nllchschllffen, aber nicht aus der Fülle des Lebens er-schaffen kann, mühsam allerlei Züge einzeln zu einem Gemäldezusammenträgt, das einmal zufällig gelingen mag, tausend-mal aber mißlingt, und, weun mißlungen, in den Linien ver-worren, in der Farbe nebelhaft, und als Ganzes ohne Leucht-kraft ist. Wem nicht das leidenschaftlichste Gefühl die Seeledurchglüht, der wird einen jeden Versuch, die mangelnde Em-pfindung gleichwohl dichterisch zu gestalten, für gewöhnlich mitAberwitz und Karrikatnr beschließen.

All' solche Ausführungen inbezug auf einen bestimmtenDichter müssen so lange etwas Fragwürdiges behalten, als sienicht an Beispielen gekräftigt erscheinen. Das Buch derLieder ist aber überreich an solch' unerläßlichen Proben.

Es ist ein Erfahrungsslltz, der durch nichts zu entkräftenist, daß nämlich ein jedes wirkliche, echte Gefühl zu seiner Offen-barung den unmittelbaren Ausdruck von Freude und Leid wählenmuß. Die gefühlswarmen Dichter ob groß, ob kleinhaben sich ausnahmslos nur zu dieser Sprache bekannt. Gleich-viel ob Adalbert von Chcnnisso die süßen Geheimnisse einerMädchenseele enthüllt:

Seit ich ihn gesehen,Glaub' ich blind zu sein;Wo ich hin nur blicke,Seh' ich ihn allein;Wie im wachen TraumeSchwebt sein Bild mir vor,Taucht aus tiefstem DunkelHeller nur empor

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