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Dichterische Idole : Heine, Horaz
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schmerzes wieder und wieder durchprobierte, zwingt endlich eindankbares Schicksal ein wirkliches, großes, körperliches Leidenauf und ermöglicht ihm so, noch am Ende seines Lebens, dielang getragene Maske abzulegen, ohne jedoch damit seinem freierwählten Berufe untreu werden zu müssen.

Gerade an einem so leuchtenden Beispiele, wie es HeinrichHeine bietet, lassen sich vielleicht schwer, dafür aber auch um soüberzeugender die Gründe nachweisen, wie jemand in der eigenenund ganz besonders in anderer Leute Schätzung zu einem Dichter-ansehen gelangen kann, ohne jedoch je ein Dichter gewesen znsein. Man lese seine Gedichte und fühle ihnen nach, und vorden Augen der Seele wird sich eine Wüste aufthun, welche anStelle fruchtreicher Oasen die schmachtende Empfindung mitLuftgebilden narrt.

Den naiven Klang des Wortes hat dieser Sänger nur inder Frische seines Vermögens täuschend zu entlehnen verstanden:je älter er ward, desto lüderlicher und frecher wurde der Ton,desto lodderiger die Maße des geschändeten Volksliedes, mit denensein erheucheltes Gefühl am liebsten spielte. Während der leiden-schaftlich bewegte Sinn jeden Wechsel auch äußerlich im Taktezu markieren strebt, hat die Heinesche Muse mit Vorliebe ihreBewegungen dem Kindlichen nachgemodelt nnd trippelt, wo sieschreiten sollte: und gerade in diefem Widersprüche zwischenInhalt und Gebärde und in der Einförmigkeit des Ganges, derihr so außerordentlich behagt, verrät sich der aufmerksamen Be-trachtung zuallererst ihr angenommenes Wesen und die Ab-wesenheit jeder Natürlichkeit.

Wenn es wahr ist, daß den echten Dichter nur die Leiden-schaft macht, und daß diese erzeugerische Kunst sich einzig dortbeweiskräftig ankündigt, wo über dem dichterifchen Wort jeweiligin dem Gemüte des Zuhörers oder Lesers das volle und klare Be-wußtsein genau derselben Stimmung hereinbricht, aus welcherheraus das Lied selbst gesungen wurde wenn dieses wahrist, nnd es ist an dem, fo ist auch Heinrich Heine kein