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haben seine Verehrer fassungslos vor dem Phänomen ver-harren müssen, jemand so entsetzlich leiden zn sehen, ohnedaß auch nur der leiseste Grund für solche Qual ohne-gleichen zu entdecken gewesen. Da erbarmte sich ihrer Rat-losigkeit das Schicksal in Gestalt eines Briefes, in welchemsich geheimnisvoll angedeutet fand, daß der fünfzehnjährigeKnabe feine Base, Amalie Heine, unglücklich geliebt haben —soll! Da hätte man doch lieber gleich bis auf seine Amme zu-rückgreifen sollen! Schweigen wir daher besser von einer Liebe,die ihm selbst seine Freundschaft und nächste Umgebung niemalsrecht geglaubt hat.
Heinrich Heine hat in seiner glücklichsten Zeit begehrt undgenossen — das letztere zuweilen auch nicht: so begann er sichin Vers und Reim zu versuchen. Das Spiel geriet, und fortanist der schmachtende Jüngling von der ererbten Eitelkeit wie be-sessen, sich der Gesellschaft im weitesten Sinne von allen Seitenund in den berückendsten Stellungen zu zeigen. Glatte Worteund ein behender Witz scheinen dem dreisten Emporkömmlingein genügender Geleitbrief zu dem höchsten Wagnis: nnd sozögert er denn auch nicht, sich an dem Fuße des Parnassos zulagern, im Vollgefühle feiner Mängel, aber mit dem unnach-giebigen Willen, die ungefüge Natur durch erfolgreiche Kunst-mittel zu dressieren und zu — steigen. Da seine starke Seelenoch jeder Leidenschaft widerstand, so sieht er sich genötigt, denVerlust an lebendigem Gefühl durch ein eingebildetes Wesen znersetzen; und damit die Täuschung vollkommen würde und zumwenigsten keine Äußerlichkeit den untergeschobenen Balg verriete,zwingt er in sicherster Berechnung dem durchaus künstlichenGeschöpfe die rührende Gebärde der Kindlichkeit auf. Je naiver,desto sicherer vor jeder Entdeckung! Das Gemüt des Sängersso gut wie der Inhalt seiner Gedichte wissen von gar keiner Gemein-schaft mit der ergreifenden Treuherzigkeit der volkstümlichenDichtung zu berichten, aber in der abgelernten Gangart derletzteren möchten zum wenigsten immer Auge und Ohr beteuern,