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lismus bedeutet aber Aufopferung. Es ging ihn: folglich jedestarke und echte Naturempfindung ab. Endlich noch! er selbstgesteht, daß ihm die Poesie zeitlebens nur ein Spiel des Witzesund eine Welt des Scheines gewesen. Man braucht nichtsweiter, um den dichterischen Wert des Buches der Liederschon von folchen Geständnissen aus vollkommen zu bemessen.
Wo aber sind die unwandelbaren Gesetze aufzufinden, nachdenen ein sicheres und doch abfälliges Urteil über eine so vielumstrittene Erscheinung möglich wird und überzeugt?
Denken wir uns sämtlich — nur das schöne Geschlecht sei davonausgenommen — in unser achtzehntes Jahr zurück, geben wiruns ein mittleres Maß beweglichen Geistes, seien wir verliebt,und wir werden allzumal zu Dichtern werden: so lange bis daslodernde Feuer im Genuß erlischt, oder der ruhige Besitz derGeliebten die Schwärmerei verscheucht. Wäre der männlichenJugend insbesondere das wohlfeilere Liebesglück weniger leichtgemacht, es würde in unferem Dichterwalde noch ganz andersfummen: in der schnell erworbenen Frciuengunst und mit derHeirat verstummt für gewöhnlich jedes vordem noch so träum-und redselige Herz.
Sobald die Sprache eines Volkes im dichterifchen Aus-drucke den Grad der Vollkommenheit erreicht hat, ist sie damitzugleich Gemeingut aller Gebildeten geworden. An die Rede-weise unserer größten und beliebtesten Dichter von frühauf ge-wöhnt, haben wir uns dermaßen mit Ohr und Gedächtnis indas Wort einer echten Gefühlswelt, in Vers und Reim hinein-gelebt, daß wir nur der Einbildungskraft, der leicht erregbarenSinne des Iugendalters, der Gelegenheit — all' dessen in sehrgeringem Maße bedürfen: nnd die Empfindung wird zum Ge-dicht. Der aufkeimende Geschlechtstrieb erschließt seinen Blüten-kelch. Ein neuer Tag erweckt in den meisten von uns für einekurze Weile den leidenfchaftlichsten Drang all' unserer Lebens-jahre; und in der verschämten Begierde, die vorerst noch traum-befangen atmet und zunächst eine jede thatsächliche Offenbarung