366Unter den Empfindeleien sind diejenigenimmer die gefährlichsten, welche auf höhereGegenstände gehen. Weil nemlich der Menschin die höheren Empfindungen den größten Werthsetzet; so folgt, daß, wenn er einmal anfängt,nicht mehr für die richtige Stimmung dieserdie nöthige Sorgfalt zu haben, er sodann inden übrigen um so viel leichter den nemlichenFehler begehe. Was meinen Sie z. E. darfman wol von der Festigkeit und Rechtschaffen-heit eines Menschen halten, welcher Gotte, dener doch in seinem Herzen für das höchste undverehrungswürdigste Wesen hält, gerade zu,wenn ich mich so ausdrücken darf, ins Ange-sicht empfindelt und heuchelt? Wie oft ge-schieht aber dieses z. E. schon beim Gebet, wodie Menschen unter gewissen Stellungen gewisseWorte herplappern, und ihre Augen nach allenEcken hinfahren lassen, und mehr an die äusse-ren Dinge, als an das Wesen denken, mitwelchem sie reben! Es mus nun einmal zu derZeit so mitgemacht werden; der Geist magdazu geschickt seyn, oder nicht. Wie kan diesmit der gehörigen Stimmung der moralischenEmpfindsamkeit bestehen; und wie traurig müs-sen nicht die Folgen davon auf Empfindungder anderen minder wichtigen Bedürfniße seyn?Nichts bringt aber leichter eine falſcheStimmung der Empfindsamkeit hervor, alsalle die Erzählungen, und Bücher, welche ir-gend einem Menſchen einen hoͤheren Grad vonEmpfind-
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Vergleichung der Erziehung der Alten mit der heutigen, und Untersuchung welche von beiden mit der Natur am meisten übereinstimme
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