Druckschrift 
Vergleichung der Erziehung der Alten mit der heutigen, und Untersuchung welche von beiden mit der Natur am meisten übereinstimme
Seite
565
Einzelbild herunterladen
 

365wurde, eingesperrt zu werden, vor Angst in ein hitzi-ges Fieber fiel, und starb. Ich selbst kan michzum Beispiel anführen. Ich habe zwar dem gü-tigsten Schöpfer ein Herz zu verdanken, dasmit andern sich freut, und mit andern leidet;da ich aber gleich von Anfang meiner medizi-nischen Praxis gefunden, daß ein Arzt sehrschlecht im Stande ist, in allen und jeden Fäl-len den gehörigen Rath zu geben, wenn er dieLeiden der Kranken mit empfindet, so habe ich's mir zum Gesetze gemacht, alle Mühe undAnstrengung von dieser Seite anzuwenden umeine gewisse Unempfindlichkeit zu erlangen, da-mit ich bei allen Vorfällen mit der pöthigenKaltblütigkeit urtheilen könnte. Ich kan ſa-gen, daß ich 's von dieſer Seite ſo weit ge-bracht habe, daß ich wenigstens mehrentheils,bei unerwartetem Unglücke, das einem Men-schen zustößt, meine Fassung nicht verliere;sondern nur an die zu leisten mögliche Hülfegedenke. Wenn ich aber einem Thier, z. Eeinem Pferde dergleichen plötzliches Unglück be-gegnen sehe, dann bin ich lange nicht so ge-fast, sondern offenbar weichherzig, und zuwei-len dergestalt, daß ich starkes Herzklopfen be-komme. Es bleibt also auch von dieser Sei-te eine ewige Wahrheit, daß das Herz desMenschen ein trotzig und verzagtes Ding ist.Bei den Empfindelnden ist dieses alles noch weitauffallender, wovon Ihnen die Urſachen ausdem vorhergeſagten gleich einleuchten müſſen.Unter