164der Maaß noch Ziel, und übertreibt alles, ausFurcht weniger zu thun, als zur Behauptungseines angenommenen Scheins nöthig ist. Der-gleichen Empfindelei ist daher nichts anders, alseine affecktirte, völlig mit der Beſtimmung ꝺesMenschen, und aller andern ihr vorkommendenGegenstände, disharmonische Empfindsamkeit,und sie beruhet blos auf dunkeln Gefälen des-sen, was andere Menschen für sittlich schön,oder für sittlich häßlich halten.Zur Herrschaft über die Empfindsamkeitgelangen wir zwar durch Aufrichtigkeit und Ue-bung; aber unumschränkte Herrschaft wird esnimmer; weil mehrentheils der Menſch an dereinen Seite verliert, was er an der anderngewinnt; auch nicht zu gleicher Zeit in meh-reren Dingen in gleichem Grade sich üben kann.Dieses trift so gar bei der nemlichen Leiden-schaft in derselbigen Person ein. Noch erinne-re ich mich, daß ein in den Augen jedes Men-schenkenners großer Mann, der lezt verstorbe-ne regierende Graf von Lippe Bükeburg, nach-dem er so unzählige Beweise seines unerschüt-terlichen Muths in Kriegs⸗ und anderen Ge-fahren gegeben hatte, mir selbst offenherzig ein-geſtanden, daß er nicht ohne große Ueberwin-dung und heftige Furcht in ein von anstecken-den Kranken vol gepfropftes Spital gehen wür-de, Dagegen weiß ich von einem Arzte, wel-cher diese Furcht gar nicht kannte; aber als erGeſahr lief, in eine Veſtung, die beſchoßenwurde,
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Vergleichung der Erziehung der Alten mit der heutigen, und Untersuchung welche von beiden mit der Natur am meisten übereinstimme
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