559an den Tag legt. Er opfert seine öffentlichenund Privatpflichten seinen vermeinten Gottes-dienstlichen Bedürfnißen auf; läst lieber jemandso viel länger in Angst und Noth liegen, alsdaß er die zum Beten bestimmte Zeit in derKirche, oder zu Hause vorbeigehen ließe. Ergiebt zwar fleißig Almosen, versäumt aber,für sich und die seinigen zu sorgen, ist alsoim Grunde dabei, wie der Apostel sagt, ärgerals ein Heide. So tief würdigt sich der Menschherab, wenn er falsche Bedürfniße empfindet,und dieser Empfindung nachgiebt. Damit nunder Mensch dieses verhüten könnte, so richteteder alweise Schöpfer es bei den moralischenBedürfnißen eben so, wie bei den physischen,ein; daß nemlich die Seele auch hier die Ober-herrschaft behalten solte. Der Mensch hatganz unstreitig bei den moralischen Bedürf-nißen ebenfals das Vermögen, die Empfindungderselben bis auf einen sicheren Grad zu er-höhen, oder zurükzuhalten und zu ersticken.Hier sind also zwei Klippen, zwischen welchender gehörig gestimte Empfindsame suchen mußdurchzugehen, ohne an eine von beiden zu stos-sen. Er sol nemlich jedes eigne und fremdeBedürfniß gleich empfinden, aber immerhin soleine Seele in so weit die Oberherrschaft überdieſe Empfindung behalten, daß ſie vor derBefriedigung dieses bemerkten Bedürfnißes un-tersuchet, ob dasselbe wahr, oder falsch; unddie zu deſſen Befriedigung ſich angebendenMittel von der Art seyen, daß dadurch würk-lich
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Vergleichung der Erziehung der Alten mit der heutigen, und Untersuchung welche von beiden mit der Natur am meisten übereinstimme
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