555mer aufs neue anzufeuren. Glauben Sie aberja nicht, daß ich hiermit behaupte, der Menschsolle sich im Gefühl seiner moralischen Bedürf-niße und der daraus entstehenden Triebe, frem-der Leitung übergeben und sich darauf verlas-sen. Dies wäre die gröste und schädlichsteKetzerei, die mit der Natur und Bestimmungdes Menschen in dem auffallendsten Widerspru-che stünde. Der Mensch sol als ein moralischwürksames Wesen betrachtet, alles prüfen,und das Güte behalten. Ersteres kan er aberohne vorhergegangene Aufklärung nicht thun;und hinreichende Aufklärung kan er ohne frem-de Hülfe nicht erlangen. Es komt also daraufhinaus: empfinden kan und sol zwar der Menschallein, ohne Hülfe eines anderen Menschen;aber gehörig bestimt empfinden, alle em-pfundene Bedürfniße in ihr gehöriges Lichtstellen, ihren Werth und Unwerth, und die besteArt ihrer Befriedigung kennen lernen: dies al-les sol der Mensch durch Aufklärung und Ue-bung. Hierin unterscheidet sich also merklichGefühl und Befriedigung der thierischen Be-dürfniße, vom Gefühl und Befriedigung dermoralischen. Zu den lezten braucht der MenschAufklärung des Verstandes, und Uebung ſeinerVernunft. Dieses alles war deswegen bei demMenschen von der äussersten Nothwendigkeit,weil er an der einen Seite, seine geistigen Be-dürfnisse nicht so wohl durch sinnliche, mithineigne Empfindungen erkennen und bestimmenkonnte; und doch an der anderen Seite durch-aus
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Vergleichung der Erziehung der Alten mit der heutigen, und Untersuchung welche von beiden mit der Natur am meisten übereinstimme
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