352deutlicher bestimmen zu können. Ich verstehenemlich durch Empfindelei, jede übertriebenedisharmonische Empfindsamkeit, folglich auchebenmäßige Stimmung derselben. Die Ursachedieſer Disharmonie kan nun beim natürlichenund ungekünstelten Menschen keine andere, alsSchwäche, und zwar entweder eine algemeine,oder besondere zum Grunde haben, nachdemnemlich der Mensch entweder im Ganzen, odernur von gewissen Setten von besonderen Gegen-ständen auf eine Art gerühret wird, die ihnzu unnützen oder unordentlichen Empfindungen,Wünschen oder gar Handlungen verleitet. Denneben so wie im physischen, jede widernatürlicheund unordentliche Reitzbarkeit ganz unwider-sprechlich eine Verminderung der Lebenskraftzum Grunde hat; eben so gewiß ist jede wi-bernatürliche und unordentliche Empfindsamkeit,wahrhafte Seelenschwäche. Es ist daher äus-serst kurzsichtig gedacht, wenn man irgend einesolche erhöhete disharmonische Empfindsamkeitbei einem Menschen als einen Vorzug betrach-tet, oder wol gar in demselben zu erweckenſuchet.Der alweise Schöpfer gab zwar dem Men-schen die Empfindsamkeit, um seine moralischenBedürfniße selbst empfinden zu können; eben sowie er im physischen ihm die Reitzbarkeit undEmpfindlichkeit ſchenkte, um ſeine phyſiſchen Be-bürfniße zu fühlen. Es ist aber doch ein him-melweiter Unterschied zwischen der Art undWeise
Druckschrift
Vergleichung der Erziehung der Alten mit der heutigen, und Untersuchung welche von beiden mit der Natur am meisten übereinstimme
Entstehung
Seite
552
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten