Druckschrift 
Vergleichung der Erziehung der Alten mit der heutigen, und Untersuchung welche von beiden mit der Natur am meisten übereinstimme
Seite
544
Einzelbild herunterladen
 

544versprechen zu können, daß sie verborgen blei-be, nachgeben wird.Hier komt es aber ferner auf treue Un-tersuchung seiner selbst an; ob man nicht al-lein den völligen Umfang seiner Pflichten deut-lich eingesehen; sondern auch mit der nöthigenAufopferung, aus allen Kräften dieselben zu er-fällen, redlich bemühet gewesen. Es kan alsohierbei gar keine Reservatio mentalis mehrgelten; sondern jeder redliche Mensch mus sel-bige verabſchenen; indem er leicht einſieht, daßſo bald ein Menſch dahin komt, bei der Aus-übung seiner Pflichten, welche es auch sey,mit einer solchen Reservation sich beruhigen zukönnen, derselbe schon würklich den nöthigenGrad der moralischen Empfindlichkeit um einmerkliches müsse verlohren haben. Er wirdGotte, sich selbst, und seinem Nebenmenschenuntren, so oft seine Sinnlichkeit in ihm falscheReitze erreget; und im Grunde sind doch der-gleichen Reservationen nichts als Bemühungen,durch falſche Vorſpiegelungen, das Gewißen gegen alle Vorwürfe fühllos zu machen. Hierertheilt uns die Religion abermals die beſtenVorschriften und das untadelhafeste Muster,indem sie den Menschen gebeut, NachfolgerJesu zu seyn; d. i., die nemliche Bahn zu be-treten, auf welcher er vorgegangen ist. Unddie Bahn, die Jesus gieng, war ein beständi-ges Bestreben, die menschliche Glückseeligkeit,im eigentlichen Verstand und ohne Ausnahmeder