Druckschrift 
Vergleichung der Erziehung der Alten mit der heutigen, und Untersuchung welche von beiden mit der Natur am meisten übereinstimme
Seite
526
Einzelbild herunterladen
 

526sich; empfinden weder ihre eigne, noch ande-rer Menschen physische Bedürfniße dergestalt,wie der Mensch selbige fühlen muß, um mit dergehörigen Aufopferung so gemeinnützig und ge-fällig zu seyn, wie er solte. Diese Art vonEgoismus, welche so leicht sich dabei einfindet,ist daher öfters Schuld, daß, wenn solche Men-schen auch von Natur aus ein freundschaftli-ches, gefälliges Herz haben, sie doch nach-her sehr oft, in der Ausübung von aufopfern-der Freundschaft, (dieser eigentlichen wah-ren Freundschaft) beim leeren Wunsche stehenbleiben. Denn eben so wenig wie diejenigeBarmherzigkeit sonderbaren Werth haben kan,wenn jemand eine Sache, die in seinen Augenkeinen sonderlichen Werth für ihn hat, wegschenkt; so wenig kan eine solche Freund-schaft wahren Werth haben, die nicht mit Auf-opferung eigner Gemächlichkeiten und Lieblingneigungen, dem Freunde dasjenige zu erleichtern Sie kön-trachtet, was denselben drückt.nen daher Ihren Zögling nie genug an diegrosse Wahrheit erinnern, daß unser hiesigesist:Leben im Grunde nichts wie Aufopferungwir sollen aber nie unsre würkliche Glückseelig-keit; sondern immer das geringere, das eitelebendem wesentlichen aufopfern, und dadurchwahren Werth des letzteren immer mehr zu er-kennen, und dasselbe uns eigen zu machen trachten.undDies ist Zweck der christlichen Religion,dabei zerfält wie mir dünkt, jeder Zank, wel-chen Theologen und Philosophen darüber ge-führet