Druckschrift 
Vergleichung der Erziehung der Alten mit der heutigen, und Untersuchung welche von beiden mit der Natur am meisten übereinstimme
Seite
520
Einzelbild herunterladen
 

520mus ihm daher zeigen, wie jede gute Handlung,Gottesdienst sey, und Religion nicht in Rai-sonnement, sondern in Thätigkeit bestehe: dasferner jede, Menschenliebe ausübende Handlung,immerhin mit Selbstliebe verbunden sey. Esmus die Warheit des Ausspruchs des KaisersTitus fühlen, welcher jeden Tag an welchemer nicht irgend eine gute Handlung gethan hat-te, für verlohren erklärte, und sodann immerdes Abends gegen ſeine Freunde bekanntermaſ-sen sagte; Amici, hodie diem perdidi. Undwie kan man endlich einem Menschen in allenund jeden Fällen den gehörigen Grad der Men-schenliebe, ja, der Empfindung des Danks,welchen er Gotte schuldig ist, zutrauen, dem ei-ne, welchem Thier es auch sey, wilkührlichund unnöthig angethane Marter, Freude machenkan? Salomo sagt daher: der gerechte er-barmet sich seines Viehes. (a) Diese algemeinePflichten müssen also dem Kinde jederzeit, undnie anders wie im Zusammenhange gezeiget undzu erfüllen gelehret werden. Hat es sich hie-rin geübet und sich daran gewöhnet, dannwird es ihm nachher leicht werden, seine be-sonderen Pflichten, nicht allein als Kind, son-dern auch später, als Jüngling und Mann,in den verschiedenen Lagen worin es versetzetwerden kan, zu erfüllen.Der durch ſeine eigne Sinnlichkeit undundböse Beispiele so leicht verführte Mensch,alſo(*) Sprüche Salom. Kap. 12. v. 10.