509vor der Strafe, seinen Leichtsinn und die da-raus entspringenden Fehler zu verhüten trach-ten; sondern man wird bei jedem neuen Fehl-tritte, der es übereilte, Schaam und Reuedarüber in seiner Seele erwecken, mithin nachund nach eine gründliche Besserung in ihmervorbringen. Denn es wird dem Kinde seinbegangener Fehler selbst, weit stärkere unange-nehme Empfindungen erregen, als die von ihmdieserhalb empfundene, oder noch zu befürch-tende Strafe. Dies iſt der Weg, um aus demKinde, einen gründlich gebesserten Menschen zuziehen, und wir können um so gewisser seyn,aß diese Methode seiner Natur angemessen sey,da die in der geoffenbarten Religion entdecktenWege Gottes mit dem auf solche Art fehlendenMenschen, völlig damit harmoniren. Ueberalſol der Menſch einſehen lernen, daß alles, demnach dem guten Zweck aufrichtig strebendenMenschen zum besten diene, und er der Züchti-zungen dazu bedürfe. Sehr viele Erzieherirren sich aber, wenn sie glauben, dasbeste und einzige Mittel in solchem Falle wä-te, dem Kinde Schläge zu geben. Dies istganz gegen alle Menſchenkenntniß gehandelt.Denn die Klugheit erfordert hier, den Karakterund die Empfindung eines jeden Kindes auszu-forschen, um zu wissen, welches wol seine em-pfindlichste Seite sey; und worin es den mehre-sten Werth setze. Aeusserst selten wird man indiesem Fal zu dem erniedrigenden Mittel, denSchlägen überzugehen brauchen — die Entzie-hung
Druckschrift
Vergleichung der Erziehung der Alten mit der heutigen, und Untersuchung welche von beiden mit der Natur am meisten übereinstimme
Entstehung
Seite
509
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten