Druckschrift 
Vergleichung der Erziehung der Alten mit der heutigen, und Untersuchung welche von beiden mit der Natur am meisten übereinstimme
Seite
460
Einzelbild herunterladen
 

460den Trunk Wassers, so einem Bedürftigen ge-reichet wird, so feierlich und wiederholtermaßenverspricht. Ein Umstand, der von sehr vielenEltern versäumt wird: und die dennoch, aufeine, dem Kinde ausserdem nothwendig barbarischscheinen müßende Art, von demselben fordern,überal gefällig zu seyn; und ohne Zwang eigenes Vergnügen, oder Nutzen aufzuopfern.Daß der Mensch aber auch dergestalt gbauet sey, daß er auf solche Weise, ohne Schadieden seiner Gesundheit, zuweilen gegenEmpfindung seines Bedürfnißes handeln kön-ne, darf nicht bezweiflet werden. Denn beiSchoͤpfer hat nach seiner Alweisheit, jedem Ge-ſchoͤpfe, folglich auch gewiß dem edelſten ꝺer-ſelben, dem Menſchen, diejenige Anlage gegben, vermöge welcher alles das aus ihm wer-den kan, was aus ihm werden muß, wenn erseiner Bestimmung, d. i. seinen Pflichten Ge-nüge leisten sol. Dies kan niemand läugnen.Da nun auf keinerlei Weise sicher verhütet wer-den kan, daß nicht der Körper des Menſchenstets allerlei Veränderungen ausgesetzet werde;und er bald Frost, bald Hitze, bald Hunger,bald Durst leiden; bald Zorn, bald Wehmuthu. s. w. empfinden müsse, so muß auch aller-dings in demselben die Anlage liegen, dieseVeränderungen ohne Schaden seiner Gesund-heit untergehen zu können. Von dieſer Anlageiſt aber nun zu merken, daß ſelbige bei allenMeuschen sich nicht gleiche, sondern bei einemvii