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Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
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Band l Band I

V. Abschnitt: Vormarsch der III. und Maas-Armee; Schlachten bei Beaumont und Sedan.

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Lazareth war im College sehr gut untergebracht. Auch gelanges den mitten im Garten gelegenen Theatersaal in eine luftigeBaracke zu verwandeln, in der 22 der schwersten Typhuskrankenuutero-ebracht wurden. Die Besatzungstruppen hatten demLazareth ihre Lazarethgehilfen und Krankenträger als Pflege-personal überlassen; am 14. September erhielten dieselben aber'plötzlich Befehl zum Abmarsch; der dem Chefarzt beigegebenefassistirende Arzt musste krank nach Vitry evakuirt werden,so dass ersterer sich allein befand. Auf seine Requisition stellteihm die Maine sofort 8 Schwestern und 16 Arbeiter als Kranken-wärter. Im Ganzen wurden in St. Dizier 40 Verwundete undW)2 Kranke behandelt. Die schwersten Krankheitsfälle stammtenjvon den vor Toul liegenden Truppen. Im Oktober sank dieZahl der Kranken sehr rasch, so dass das Etappenlazareth am|3. Oktober 1870 aufgelöst werden konnte.

In Bar le Duc, an der Bahnlinie ParisFrouard, hattesieb in wenigen Tagen eine bedeutende Zahl von Kranken an-gesammelt. Der Etappen-Generalarzt schickte am 28. AugustEinige von den ihm noch zur Disposition stehenden Civilärztenzur Errichtung eines Etappenlazareths dorthin. Das vorhandeneCivilhospital, das Lyceum und das L'höpital des Maristes, einfrüheres Priesterseminar, schon von der feindlichen Armee alsLazarethe eingerichtet, zählten bereits am 29. August über400 Kranke, während neuer Zugang täglich erwartet und zu-gleich für die durchpassh-enden Krankentransporte gesorgtwerden musste. Es gelang allmälig, insgesammt 450 Betten[bereit zu stellen. Die Verpflegungsbedürfnisse wurden requirirt,die Besatzungstruppen stellten Mannschaften als Krankenwärter,pe späterhin leider sehr oft entsprechend dem Kommen und[Gehen der Truppen wechselten, die freiwillige Krankenpflege[half mit Erfrischungsmitteln sowie mitPersonal. Am 4.SeptemberLbends laugte der erste Verwundetentransport (150 Mann) vonKorden her an. Die Verbände wurden erneuert, die Mann-jschaften erquickt, für die Nacht untergebracht und am nächsten[Morgen mit Ausnahme der Schwerverwundeten nach Nancy weiter[befördert. Dies wiederholte sich mehrere Tage, bis die Kranken-beförderung von Sedan her über Pont ä Mousson geleitet wurde.[Nun aber wuchs die Zahl der Ruhr- und Typhuskranken, dasowohl die Lazarethe auf der Etappenstrasse vorwärts Bar le Duc,[als auch diejenigen an der nunmehr aufgegebenen Strasse überSt. Dizier ihre Kranken hierher sandten. Als Ende September[nach der Kapitulation von Toul die Eisenbahn fahrbar geworden,ohne dass die Züge in Bar übernachteten (am Bahnhof bestandeine Erfrischungsstation der freiwilligen Krankenpflege), leertesich das Etappenlazareth sehr schnell, füllte sich aber AnfangNovember wieder für einige Zeit, als die IL Armee bei ihremlarsch von Metz nach Südwesten die Stadt passirte und viele[ranke hier zurücklassen musste. Am 16. November wurdelas Höpital des Maristes aufgegeben, so dass ein grosser Theilles ärztlichen Personals anderweitig verwandt werden konnte,tm 8. Dezember trat das Etappenlazareth als Kriegslazarethiter den Befehl des General-Gouvernements von Lothringen.)er Zugang an Kranken betrug im Dezember 164, imlanuar 1871 339. Am 28. März 1871 wurden die noch vor-landenen 70 Kranken an das 9. Feldlazarefh VII. Armeekorpsibergeben.

Gleichzeitig mit der III. Armee hatte die Maas-Armeeden Marsch gegen Chälons angetreten. Die Etappenstrassepg über ThiaucourtSt. MihielVaubecourtClennont

fcn Argonne. Als auch diese Heeresabtheilung die Schwen-kung nach Nordost machte, musste eine zweite Etappen-Kasse von Pont ä Mousson über Thiaucourt PresnesMain gelegt und nach der Schlacht bei Beaumont über

DamvillersDunStenay bis Mouzon ausgedehnt werden,während die andere Linie von Clermont über Varennes bisBuzancy verlängert wurde.

Auf diesen beiden Linien wurde der ärztliche Dienstfür die von den vorrückenden Truppen zurückgelassenenKranken, sowie später für die Rücktransporte von Ver-wundeten und für die von den Kriegsgefangenen-Transportenzurückbleibenden Kranken zunächst durch Feldlazarethe,später hauptsächlich durch Lazareth-Reservepersonal sichergestellt.

In St. Hilaire (südlich Etain) wurde das 2. FeldlazarettXII. Armeekorps 1 ) am 26. September von der 3. SektionLazareth-Reservepersonals III. Armeekorps abgelöst; die-selbe behandelte bis 10. November 1870 21 Verwundeteund 53 Kranke.

In Etain übernahm am 30. August 1870 die 3. SektionLazareth-Reservepersonals des Gardekorps die in Behand-lung des 12. Feldlazareths III. Armeekorps befindlichenKranken. In der ersten Dekade des September bereitspassirten den Ort etwa 1800 Kranke und Verwundete, dieverbunden, verpflegt und für die Nacht gelagert werdenmussten.

Ausser den von diesen Transporten zurückbleibenden In-transportabeln hatte das Lazareth, welches in 5 Gebäuden über130 Betten verfügte, einen sehr starken Zugang an Ruhr- undTyphuskranken von den in der Nähe kantonnirenden Truppen,konnte deshalb erst, nachdem die Evakuationen von Sedanher längst aufgehört, am 31. Oktober geschlossen werden. Eingrosser Theil des Personals war unter dem anstrengenden Diensteerkrankt und hatte durch Aerzte und Mannschaften vom Laza-reth-Reservepersonal IX. Armeekorps ersetzt werden müssen,zeitweise auch durch Mannschaften der Besatzungstruppen.

In Damvillers, nordwestlich Etain, versahen die Aerzte derBesatzungstruppen den Etappendienst. Weiter nordwestlich,in Stenay, waren anfänglich Französische Aerzte der Stadtthätig, vom 11. September an das Lazareth-ReservepersonalXII. Armeekorps, unterstützt von einem Theile des Lazareth-Reservepersonals IV. und des Lazareth-Reservepersonals IX.Armeekorps. Unter Zurücklassung eines Arztes in Stenay, brachdas erstgenannte Personal am 30. September nach Douzy auf. Am27. Oktober wurden die noch in Stenay vorhandenen DeutschenVerwundeten nach Douzy abgegeben, Französische Verwundeteder Gemeindebehörde überlassen und das Etappenlazareth ge-schlossen.

Auf der westlichen Etappenlinie wurden folgendeLazarethe eingerichtet:

Zunächst in St. Mihiel, westlich Pont ä Mousson.Hierselbst traf die für die Gründung eines Etappenlazarethsbestimmte 2. Sektion Lazareth-Reservepersonals XII. Armee-korps am 2G. August ein und fand bereits 98 Kranke ein-schliesslich 4 Verwundete vor.

Die räumlichen Verhältnisse zeigten sich günstig, indemein Stadtkrankenhaus mit 100 Betten und ein Kasernementmit Raum für mehr als 500 Kranke zur Verfügung standen.Später traten das College und das Hospice Ste. Anne hinzu, sodass auch eine Kategorie Kranker von der andern getrennt ge-

i) Yerg'l. Seite 120.