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Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
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Band I. I Band I.

IV. Abschnitt: Kämpfe links der Mosel und Einschliessung von Metz.

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am 20. August der neue Befehl zur Etablirung je einesKriegslazareths in Corny und in Noveant eintraf.

Nach Entnahme von Lazarethutensilien und Verband-o-egenständen aus dem Depot in Corny gingen die 2. und3. Sektion nach Nove'ant ab. Bei genauem Absuchen desOrtes wurden ausser 6 Offizieren nur 22 Mann gefunden;dagegen erfuhr man, dass in einem Schlösschen, dessenBesitzer bereitwilligst den vorbeiziehenden VerwundetenVerband- und Labemittel gespendet hatte, einige Verwundete,die Mehrzahl aber im Bahnhofsgebäude und in dem benach-barten sogenannten Preussischen Hochofen lägen. Hierfand man thatsächlich 30 Verwundete, für welche sofortder Hochofen zum Lazareth eingerichtet wurde. Währenddie Aerzte verbanden, fand die Reinigung der vorhandenenSäle statt. Strohsäcke wurden gestopft, die daselbst schonvorhandenen Verwundeten gelagert und die übrigen ausdem Eisenbahngebäude nach dem Hochofen geschafft. Ess-geschirre, Beleuchtungsmaterialien etc. wurden requirirt.So war es unter fortwährendem Zugang von HilfebedürftigenAbend geworden, als der nach dem Schlösschen entsandteArzt meldete, dass er allein nicht mehr im Stande sei, derwachsenden Arbeit zu genügen. Er erhielt Unterstützung,und nach Mitternacht war das Lagern und Verbinden be-endet. Das Personal hatte an diesem Tage 147 VerwundetenBeistand geleistet.

Im Wesentlichen blieb die Arbeit noch während desganzen August dieselbe, denn wenngleich einige Mal einegrössere Zahl leichter Verletzter evakuirt werden konnte,so kamen doch täglich neue hinzu, abgesehen von denzahlreichen Passanten.

Nachdem noch ein zweites Schlösschen im Ort belegt wordenwar, versah die 3. Sektion den Dienst in diesem, die 2. Sektionim Hochofen. Am 22. August konnte das neben demselbenerrichtete Zelt belegt werden und am 29. auch eine daselbsterbaute Baracke, die bis dahin bei dem anhaltenden Regen hatteunbenutzt stehen müssen, weil erst nach vieler Mühe von Pontä Mousson Dachpappe zu erlangen war. Als an dem letztge-nannten Tage ein grösserer Transport' Ruhrkranker ankam,wurde der Hochofen für diese eingeräumt, und die so gebildeteRuhrstation am 30. August der von Saarbrücken eingetroffenen2. Sektion Lazareth-Reservepersonals VII. Armeekorps, welcheseit dem 23. August auf der Etappe in Noveant Dienst ge-leistet hatte, übergeben. Die 2. Sektion Lazareth-Reserve-personals VIII. Armeekorps verlegte ihre Verwundeten in dieoben genannte Baracke und in ein zweites inzwischen aufge-schlagenes Zelt.

Mittlerweile hatte die 3. Sektion Lazareth-ReservepersonalsMII. Armeekorps am 22. August Befehl erhalten, zwei neuer-dings neben dem Hochofen errichtete Zelte und eine Baracke fürVerwundete als Lazareth einzurichten. Bettstellen Hessen sichnicht beschaffen. Das Depot in Corny war fast geleert, Strohnirgends zu haben, die Eisenbahn noch nicht fahrbar. Es ge-lang daher binnen acht Tagen nur, die beiden Zelte auszustatten.Als später staatliche und freiwillige Sendungen eintrafen, konnteauch die Baracke eingerichtet und belegt werden.

Am 6. September wurde das Lazareth-Reservepersonal\ III. Armeekorps abgelöst, indem die 2. Sektion Lazareth-Reservepersonals VII. Armeekorps die Kranken und die

3. die Verwundeten in den bis dahin belegten Räumlich-keiten übernahm. Als die Zahl der Typhus- und Ruhr-kranken im September höher stieg, musste von den in-zwischen freigewordenen Baracken die eine mit 50 Bettenfür diese bestimmt werden; die andere diente zur Aufnahmevon Passanten. Denn wie im August, so war auch imSeptember und Oktober das Kriegslazareth gleichzeitigEtappenlazareth. Täglich kamen 2300, später oft4500 Kranke aus den Lazarethen westlich von Metz, diehier verbunden, gelabt, oft auch für die Nacht untergebrachtwerden mussten.

Die Transporte kamen häufig noch so spät Abendsan, dass eine Beförderung zur Bahn nicht mehr möglichwar. Ausserdem lag dem Personal die Begleitung derKrankenzüge oft bis Sarrebourg oder Weissenburg ob.Dem in Folge dessen häufig eintretenden Personalmangelwurde vom Etappen-Generalarzt durch Ueberweisung vonzwei angestellten Civilärzten, Lazarethgehilfen und Kranken-wärtern des Lazareth-Reservepersonals VIII. Armeekorps,sechs Studirenden und endlich einer Reihe barmherzigerBrüder und Franziskanerinnen abgeholfen. Dem anfänglichengänzlichen Mangel an Arzneimitteln und geeigneten Ver-pflegungs-Artikeln half die freiwillige Krankenpflege ab,bis die staatlichen Depots sich wieder ergänzt hatten. InFolge der Anstrengungen, der ungenügenden Nahrung, desschlechten Trinkwassers und des fortwährenden Aufenthaltesin den Krankenräumen waren fast alle Aerzte mit ruhr-artigen Symptomen erkrankt, ausserdem sämmtliche Lazareth-gehilfen und Krankenwärter (ein Lazarethgehilfe starb),ebenso die 6 barmherzigen Brüder und 2 Schwestern.Auch unter den Verwundeten trat in vielen Fällen Ruhrauf; zur Isolirung derselben erwiesen sich die Zelte vor-züglich brauchbar. Trotz des anhaltenden Regens imSeptember und Oktober hatten die Verwundeten in ihnenvon Nässe nicht zu leiden. Die doppelte Decke von Segel-tuch schützte vollkommen. Die in der Eile aufgeführtenBaracken gewährten bei Weitem weniger Schutz. Am20. Oktober warf ein Sturmwind fünf Zelte um, ohne dassindess die Insassen dabei Schaden nahmen.

Am 5. September, als die Zahl der nach Noveant strömen-den Kranken zu gross geworden, etablirte sich daselbst nebendem Kriegslazareth auch das 7. Feldlazareth II. Armeekorps.Als am 30. Oktober die 2. Sektion Lazareth-ReservepersonalsVII. Armeekorps zur Ablösung des 2. Feldlazareths I. Armee-korps in Etangs beordert ward, übergab sie ihre Kranken zu-nächst der 2. Sektion Lazareth-Reservepersonals IX. Armeekorps,welche den Befehl zur Errichtung eines besonderen Etappen-lazareths in Nove'ant Corny erhalten hatte. Schon am1. November aber gingen dieselben in die Hände des Feld-lazareths über, welches am 7. November auch die 3. SektionLazareth - Reservepersonals VII. Armeekorps ablöste. SeitMitte Oktober war ein Stabsarzt des Lazareth-ReservepersonalsIL Armeekorps von Gorze her zur Wahrnehmung des Bahnhofs-Etappendienstes kommandirt; Anfang November wurden die1. und 3. Sektion des genannten Personals herangezogenund theils dem Feldlazareth zur Aushilfe beigegeben, theils