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III. Kapitel: Thätigkeit der Sauitätsdetachements, Feld- etc. Lazarethe.
Band I.
lüften und zu desinfiziren, um sie beim Eintritt kältererJahreszeit wieder belegen zu können. Das Wasser erwiessieh bei der chemischen Untersuchung als so verunreinigtmit organischen Stoffen, dass man den Genuss desselben auf-gab und täglich gutes Wasser aus dem benachbarten Aubouein Pässern anfahren Hess. Freilich war dies mit Schwierig-keiten verknüpft, da es im Ort leistungsfähige Pferde kaumnoch gab und das Lazareth eigenes Fahrmaterial bis aufdrei aus Forbach mitgebrachte requirirte Fuhrwerke nichtbesass. Leute und Pferde, oft krank, mussten die Ver-pflegungsbedürfnisse aus den meilenweit entfernten Maga-zinen in Remilly oder Courcefles herbeischaffen. Die Korps-artillerie, welche Auftrag erhalten hatte, dem LazarethWagen zu stellen, sah sich dazu oft ausser Stande, und alssie abmarschirte, war das Lazareth zuweilen Tage lang vonder Aussenwelt abgeschnitten.
Um für die allgemeine Hygiene des Ortes zu sorgen,wurden an den Strassenecken sanitäre Verordnungen an-geschlagen, für deren Innehaltung der Maire verantwortlichblieb.
Da sämmtliche Kranken bei Uebernahme des Lazarethsnoch auf Strohsäcken auf der blossen Erde lagen, sorequirirte der Chefarzt die Hilfe einer am Orte befindlichenPionier-Kompagnie, deren Mannschaften aus alten Bretternin kurzer Zeit 200 Bettstellen zimmerten. Dieselbe Truppestellte auch die Pumpen wieder her und ersetzte demLazareth in jeder Richtung die fehlenden Handwerker.Als dieselbe abrückte, wurde auf Antrag noch einmal eineAbtheilung Pioniere bewilligt, welche hinter den einzelnenLazarethräumen in einer Entfernung von mindestens 50 Schrittfür die Aufnahme der Abfälle Latrinengruben aufwarf,die weiterhin täglich mit einer Schicht Erde undChlorkalk bedeckt wurden. Auch das im Orte befindlicheWaschbassin zur Reinigung beschmutzter Leib- und Bett-wäsche wurde regelmässig ausgebaggert und mit einemZusatz von Chlorkalk versehen. Als die Zahl der Ruhr-und Typhuskranken zunahm, richtete man zwei der frühergeräumten, nun gründlich desinfizirten Häuser zu einerbesonderen Station für jene Kategorie von Kranken ein.Im Oktober, bei Eintritt der kalten Witterung, musstendie Scheunen und die Kirche mit heizbaren Häusern ver-tauscht werden.
Obgleich man den Desinfektiousmaassregeln unaufhör-lich die grösste Aufmerksamkeit zuwandte und das vonaussen herbeigeschaffte gute Trinkwasser nur, nachdem esgekocht und wieder abgekühlt war, mit Salicylsäure, Weinoder Cognac vermischt gemessen Hess, so traten doch imSeptember schon Ruhrfälle im Lazareth auf, von denenauch das gesammte Personal mehr oder minder ergriffenwurde, ohne dass es zunächst zu einem bösartigen Verlaufkam. Auch machten sich unter den Aerzten und Mann-schaften Erkrankungen fieberhafter Natur geltend, welcheganz die Erscheinungen des Typhus boten, aber nach 6 bis8 Tagen dem Gebrauche des Chinin wichen. Im Oktober
zeigten die Erkrankungen einen bösartigen Charakter. EinRendant, 2 Lazarethgehilfen und 1 Trainsoldat fielen demTyphus zum Opfer; der Chefarzt und drei Mann vom Unter-personal lagen schwer darnieder. Auch von den Schwesternerkrankten mehrere; eine derselben starb.
Von den nach den Schlachten zurückgebliebenen Ein-wohnern starben ebenfalls 18, die meisten an Typhuseinige an Ruhr.
Am 27. November endlich wurde der letzte Verwundeteevakuirt und damit das Lazareth aufgelöst.
Das 5. und 10. Feldlazareth VII. Armeekorps in Aissur Moselle wurden am 11. Oktober durch die 1. SektionLazareth-Reservepersonals VIII. Armeekorps, welche bisdahin in Berlize thätig gewesen, abgelöst.
Die übernommenen 49 Verwundeten vom 10. FeldlazarethVII. Armeekorps waren in gut ventilirbaren Räumen unter-gebracht; in der Knabenschule, einem kleinen Schlösschen, derGendarmerie-Kaserne und einem Tanzsaale; die 121 Krankenvom 5. Feldlazareth VII. Armeekorps in der Kirche, mehrerenkleinen Häusern und einer Bretterbude. Als die kalte Jahres-zeit herankam, wurden die nicht heizbaren Räume entleert undzunächst die von Verwundeten inzwischen frei gewordene Knaben-schule mit Kranken belegt; später, als diese ihrem ursprünglichenZwecke zurückgegeben werden musste, bezog man ein geeignete;Haus in der Stadt, das bis dahin als Etappen-Lazareth gedienthatte (vergleiche unten). Obgleich die Unterkunft für die Ver-wundeten günstig, das Trinkwasser gut, für grösste Reinlichkeitund gründliche Desinfektion gesorgt war, traten doch im Oktoberplötzlich 9 Fälle von Hospitalbrand auf, die zum Theil tödtlictendeten. Die vorherrschenden inneren Krankheiten waren auchin Ars Ruhr und Darmtyphus, welch letzterer im Oktober meistleicht, im November aber schwer verlief und durch hochgradigeSchwäche, allerlei Komplikationen, besonders Brand der unterenGliedmaassen, mehrfach zum Tode führte. Als die Bahn bisArs fahrbar geworden, war auf dem Bahnhof ein Assistenzarztvom Lazareth-Reservepersonal IL Armeekorps thätig. DasPersonal verliess Ars am 12. Dezember.
Das Lazareth-Reservepersonal VIII. Armeekorps hatte,wie bemerkt, am 9. August Befehl erhalten, von Saarbrücken,wo es bei dem Verbinden und Transport der VerwundetenHilfe geleistet hatte, mit der General-Etappen-Inspektionder I. Armee nach Saarlouis und am 12. August von dortüber Bouzonville nach Boulay zu marschiren. Hier wurdees 4 Tage lang zur Behandlung und Verpflegung Ver-wundeter zurückgehalten und marschirte am 18. Augustüber Pange nach Corny. Nach einem Biwak daselbst erhieltes am 19. Befehl, sofort aufzubrechen und auf dem Schlacht-felde des 18. August Hilfe zu leisten. Schleunigst ent-nahm es aus dem Lazareth-Reservedepot Verbandmittel,aus dem Orte Erquickungsmittel und ging zu Wagen überGorze nach St. Apolline, wo es Wein und Brot andort etablirte Feldlazareth abgab. Da man seiner auf <Schlachtfelde augenblicklich nicht mehr bedurfte, wandt'sich das Personal sofort rückwärts nach Gorze, wo i»zwischen jedoch schon anderweitige Hilfe eingetroffen warLabe- und Verbandmittel Hess es auch hier zurück undbezog noch an demselben Tage ein Biwak bei Corny, »
Band I.
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