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III. Kapitel: Thätigkeit der Sanitätsdetachements, Feld- etc. Lazarethe.
Schlachten links der Mosel in Thätigkeit getretenen Feld-lazarethe, zu welchen im September weitere 21 hinzu-kamen. Bei Beginn des September waren 55 Lazarethevor Metz etablirt, im Oktober 67; Anfang Novemberwar diese Zahl in Folge der Uebergabe der Festung auf39 gefallen und verminderte sich im Laufe dieses Monatsauf 3. Im Ganzen hat die Einschliessung von Metz 82 MalAnlass zu Neu-Errichtung von Lazarethen gegeben.
Die Aufgaben des Sanitätsdienstes wurden durch Typhusund Ruhr beherrscht, welche Krankheiten auch Verwundeteund zahlreiche bei der Kranken Wartung thätige Personenbefielen und in der letzten Zeit der Einschliessung diegi'össte Ausbreitung erlangten. Völlige Sonderung derVerwundeten von den Seuchenkranken verbot die Rauin-beschränkung. Als Auskunftsmittel blieb nur ausgedehnteKranken-Rückbeförderung.
Die Ergänzung des durch Seuchen gelichteten Pflege-Personals geschah durch die Sanitätsdetachements, derenKrankenträger in den Aufgaben des Lazarethdienstes nichtunterrichtet waren, und durch Mannschaften aus Reih undGlied, welche der Vorbildung für den Sanitätsdienst über-haupt ermangelten.
Kriegs- und Etappenlazarethe. 1 )
Die Etappen-Generalärzte der I. und IL Armee warenschon nach dem 16. August bemüht, ihr Lazareth-Reserve-personal zur Aushilfe oder Ablösung der Feldlazarethe,sowie zu selbstständiger Errichtung von Kriegslazarethenin die Gegend von Metz heranzuziehen, was freilich zumTheil erst nach Wochen gelang. Das Lazäreth-Reserve-personal IL Armeekorps, welches mit seinem Korps nachbeendeter Mobilmachung in Berlin verblieben, hatte erstam 15. August die Grenze überschritten und befand sicham 17. August in Falkenberg, als es Abends alarniirtwurde und Befehl erhielt, sich sofort mittels Bahn nachGorze zu begeben. Am nächsten Mittag traf es in Remillyein; weiteres Fortkommen aber war zunächst unmöglich,weil es an Fuhrwerk zum Transport gebrach. Der kleineBahnhof von Remilly bot an diesem Tage ein trostlosesBild. Bei einem leise, aber beständig fallenden Regenlagen unter freiem Himmel oder unter HolzschuppenHunderte von Verwundeten dicht neben einander gelagertund endlose Wagenkolonnen brachten fortwährend neueOpfer, unter ihnen viele mit Verletzungen der schwersten Art.
Nachdem das ärztliche Personal hier Beistand geleistethatte, gelang es ihm Abends, einige Leiterwagen anzu-halten, auf denen die Aerzte und Beamten spät Nachts inPont ä Mousson eintrafen. Die Stadt war vollgepfropftmit Fuhrwerken aller Art, auf denen Verwundete von denSchlachtfeldern ankamen.
!) Die Etappenlinien vergl. im Generalstabswerk I, S. 1380 u. ff.
Nach kurzer Hilfeleistung brach am 19. August Abendsdas Personal wieder auf und traf noch in derselben Naditin Gorze ein. Während Feldlazarethe die grösseren Gebäudeinne hatten, wurde dem Lazareth-Reservepersonal II. unjeiner Sektion des Lazareth-Reservepersonals III. Armee-korps die Aufgabe zu Theil, die einzeln oder zu mehrerenin den Privathäusern (und jedes Haus war belegt) untergebrachten Verwundeten zu behandeln. Gorze war in denersten Tagen ein einziger grosser Verbandplatz. DasPersonal leistete die hier nöthige Hilfe nicht selbstständig.sondern unterstützte nur die dortigen Feldlazarette,namentlich das 7. III. Armeekorps. Im September jedoch,als die Ruhr den Lazarethen Schaaren von Kranken zu-führte, wurde unweit Gorze in dem Schlösschen St. Catherineunter einem Assistenzarzt des Lazareth-ReservepersonalsIL Armeekorps eine besondere Ruhrstation errichtet, diejedoch hauptsächlich als Durchgangspunkt für den Trans-port nach Noveant diente.
Auf dem Wege von Pont ä Mousson nach Gorze hattedas Personal schon in Pagny und Arnaville je eine«Assistenzarzt zurücklassen müssen zur Behandlung einigerweniger Verwundeter, die intransportabel dort ohne ärzt-liche Hilfe lagen. Vom 6. September ab übernahm der inArnaville stationirte Arzt beide Lazarethe und vereinigteam 20. September alle Verwundeten in Pagny. Die Kranketwaren hier sehr gut untergebracht und wurden vortrefflidiverpflegt, da der Pfarrer des Ortes und verschiedene Ein-wohner sich des Lazareths in der zuvorkommendsten Weiseannahmen. Am 9. Oktober wurde der Assistenzarzt durchdas an dem genannten Tage etablirte 4. FeldlazarettIX. Armeekorps abgelöst.
Auch in St. Apolline, einem einsamen Gehöft an deStrasse nach Mars la Tour (5 Kilometer von Gorzemusste das Lazareth-Reservepersonal IL Armeekorps am29. September mit 2 Aerzten etc. zur Ablösung des dortigenFeldlazareths IX. Armeekorps eintreten. Die Unterkunftwar schlecht; das Wasser musste aus Gorze herbeigeschafftwerden; die Nahrungsmittel wurden vom Etappenkommand«in Gorze, Arznei und Verbandmittel vom LazarettReservedepot 1 ), besondere Erquickungsgegenstände von demDepot der freiwilligen Krankenpflege bezogen.
Am 16. Oktober wurde das Lazareth aufgelöst. Fastdas ganze Personal litt an fieberhaften gastrischen Be-schwerden.
In dem Dörfchen Mars la Tour, das zu beiden Seitender grossen Heerstrasse Metz—Paris in einfacher Häuser-reihe sich hinzieht, war Haus an Haus mit Verwundetengefüllt. Dem hier seit Anfang September thätigen 2. Feld-lazareth X. Armeekorps wurde am 16. September, da esum diese Zeit noch über 300 Kranke und Verwundete z"verpflegen hatte, die 1. und 2. Sektion Lazareth-Reserve
!) Das des II. und X. Armeekorps befand sich in Gorze; erster«wurde am 2. Oktober nach Noveant, letzteres am 9. November usclNancy verlegt.
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