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Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
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Band 1.

III. Abschnitt: Heeresbewegungen nach der Mosel. Kriegs- und Etappenlazarethe.

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gogervepersonals blieben nur bis zum 27. August in Grasml übergaben an diesem Tage den Bestand an das inNoisseville etablirte 8. Feldlazareth J. Armeekorps. Sieuelbst Schlüssen sieh ihrer Sektion in Montoy wieder an.

Dieser Ort, drei Kilometer östlich vom Fort Les Bordes,Bitten auf dein Schlachtfelde des 14. August gelegen, botmit seinem prächtig eingerichteten Schloss und zwei grossenhftigen Privathäusern sehr geeignete Unterkunft. DieSchlacht bei Noisseville am 31. August und 1. Septemberbrachte das Lazareth mitten in den Kampf hinein. DieFranzosen besetzten das Dorf und räumten es erst gegenEnde der Schlacht. Dem Lazareth gingen in diesen beidenTagen mehr als 400 Verwundete zu. Einige der bereitsverbundenen Verwundeten mussten aus brennenden Häusernwieder in Sicherheit gebracht werden. Granaten schlugenmehrfach in schon belegte Häuser, aber nur ein Ver-wundeter wurde zum zweiten Male leicht verletzt, ebensoein Arzt. Die Franzosen hatten die Mehrzahl ihrer Ver-wundeten nach Metz transportirt. Der Umstand, dass Montoyzwischen den beiden Vorpostenketten lag, veranlasste dasOberkommando, das Dorf am 5. September räumen und dievorhandenen 81 Verwundeten nach Maizery überleiten zulassen. Daselbst erhielt das Lazareth am 13. Oktober nocheinmal grösseren Zuwachs von Verwundeten. Am 12. No-vember wurde es aufgelöst.

Courcelles sur Nied, zwischen Colombey und Kemilly(dem damaligen Endpunkt der Bahn SaarbrückenMetz)gelegen, war schon nach den ersten Kämpfen rechts derMosel das Ziel vieler Verwundetentransporte geworden undblieb längere Zeit Durchgangspunkt für dieselben, zumales am Id. August Etappen-Hauptort wurde. An dem Bahn-hofe befand sich ein Verbandplatz der freiwilligen Kranken-pflege und eines Sanitätsdetachements. Die nicht trans-portablen Verwundeten wurden in der Kirche und einemJla!i>e au der Bahn untergebracht, woselbst vom 22. bis'11. August das Lazareth-Beservepersonal des Gardekorpsden Dienst versah. Am 27. August 1870 übernahm eineSektion Lazareth-Reservepersonals 111. Armeekorps dasLazareth. Die Kirche, für 24 bis 30 Lagerstellen ausreichend,lag inmitten des Friedhofes. Die Fenster befanden sichhoch aber dem Fussboden und besassen keinerlei Oeffnungs-vorrichtung. Trinkwasser Hess sich am Ort nicht beschaffen,alle Brunnen waren versiegt oder völlig verunreinigt, soBaas das Wasser eine Viertelstunde weit in Tonnen aus einemMühlenweiher herbeigeholt werden musste, aus welchem auchdie Pferde aller umliegenden Truppen und Kolonnen ge-tränkt wurden. Die Kranken lagen in der Kirche aufferohsäcken, da Bettstellen noch nicht hatten beschafft«erden können. Das /.weite belegte Gebäude bot nur Raumfür 10 bis 12 Betten und wurde mehr als Durchgangsstationbenutzt. Trotz aller dieser ungünstigen Verhältnisse bliebder Zustand der \ r erwundeten ein leidlicher, namentlich nach-dem es gelungen war, Buhrkranke, welche mit in die Kirchehatten aufgenommen werden müssen, zurückzubeordern.

Line grosse Menge von Erquickungsgegenständen stand infreiwilligen Gaben zu Gebote.

Am 9. September wurde das Lazareth-Beservepersonal111. Armeekorps durch die 3. Sektion Lazareth-Reserve-personals Vlll. Armeekorps ersetzt. Diese erhielt am22. September den Auftrag, das Lazareth von ('unreellesnach dem gesundheitlich günstigeren Fange zu verlegen.An letzterem Ort war gleichzeitig noch das St. FeldlazarethVII. Armeekorps thätig, welches vom 2. November ab dieKranken des Kriegslazareths mit versorgte, während dasPersonal des letzteren das in Folge der Schlacht bei Colom-bey vom 9. Feldlazareth VIII. Armeekorps in CourcellesChaussy eingerichtete Lazareth übernahm.

Beim Vorrücken der III. Armee auf der Strasse nachLuneville fand man in Zabern ein Lazareth vor, das, imdortigen Spital und im Schloss eingerichtet, von vierCivilärzten des Ortes versehen und durch Mittel derstädtischen Vereine erhalten ward. Bei der Wichtigkeit,welche dieser Platz für die Etappenstrasse und für dasCernirungskorps vor Pfalzburg gewann, kommandirte dasGeneralgouvernement von Elsass am 26. September einenStabsarzt, der zugleich als Etappenarzt fungiren sollte, undeinen Assistenzarzt des Lazareth-Reservepersonals V. Armee-korps dorthin. Zunächst besorgten zwölf barmherzigeSchwestern die Verwaltung und Pflege. Die Lazareth-einrichtungen waren anfangs mangelhaft. Es fanden sichnur 25 Bettstellen. 50 Matratzen und ebensoviele Strohsäckevor. Erst allmälig gelang es, durch Requisition und frei-willige Gaben das Nöthige zu beschaffen. Bei derhygienisch günstigen' Beschaffenheit des Schlosses konntedie Belegungsfähigkeit desselben Ins auf 400 Lagerstellengebracht werden. Da das unvollständige Personal dembedeutenden Zugänge im Oktober und November nichtgewachsen war, wurde es am 27. November durch das demGeneralgouvernement überwiesene 12. Feldlazareth 1. Armee-korps allgelöst und nach Kolmar dirigirt.

Zur Ablösung des seit dem 14. August in Sarre-bourg thätigen 10. Feldlazareths V. Armeekorps wurdendie 1. und 2. Sektion des Lazareth - ReservepersonalsV. Armeekorps herangezogen. Dieselben übernahmen am26. August von dem Feldlazareth nur sechs Kranke, hattenaber gleichzeitig auf dem Bahnhofe eine Verbandstationzu errichten und den täglich neu zuströmenden KrankenUnterkunft zu bereiten. Das Personal bestand aus einemStabsarzt und fünf Assistenzärzten; an dem übrigen etats-mässigen Personal fehlten der 1. Sektion, welcher derLazarethdienst oblag, 1 Ober-Lazarethgehilfe, 5 Lazareth-gehilfen, der Koch und 10 militärische Krankenwärter.Binnen vier Wochen gingen dem Lazareth gegen 400 Krankezu. Alles musste requirirt, aus dem entfernten Depotherbeigeschafft oder ans den Mitteln der freiwilligen Kranken-pflege! erbeten werden. Gleichwohl gelang es, eine Kaserneund eine Schule, welche letztere übrigens bald wiederihrem eigentlichen Zweck zurückgegeben werden musste.