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Band I.
Anhing: Desinfektion der Schlachtfelder.
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vnii Theer und Petroleum immer von Neuem belebt werdenmusste. Nach 2 Stunden waren Kopf, Hals und Unter-schenkel der Thiere stark verbrannt, die grossen Fleisch-nassen des Rumpfes aber nur geröstet und mit einer dickenPechschicht bedeckt, welche das Eindringen der Hitze indie Tiefe verhindert hatte. Man öffnete nunmehr dieBauchhöhle, packte an Stelle der herausgenommenen Ge-därme Reisig and Stroh, machte tiefe Einschnitte in dasFleisch, namentlich der Gesässmuskoln, und setzte die mitTheer und Petroleum von Neuem reichlich beschüttetenKadaver abermals in Brand. Es wurden dieselben Erschei-nungen wie vorher beobachtet, nach abermals zwei Stundenaber hatte «Teichwohl die Zerstörung nur geringe Forf-üchritte gemacht, so dass nichts übrig blieb, als die nochansehnlichen Fleischtheile des Rumpfes zu verscharren.Diese gewiss unter günstigen Bedingungen angestelltenVerbrennungsversuche, welche mehrmals und stets mit demfrüheren Resultat wiederholt wurden, lieferten nach über-einstimmender Ansicht der Kommissionsmitglieder den un-zweifelhaften Beweis dafür, dass durch diese sehr kost-spielige und sehr zeitraubende Methode, welche überdiesdie Exhumation voraussetzt und wegen der Verbrennungs-gefahr für die beim Unterhalten fies Feuers thätigen Leutenicht ganz unbedenklich ist, eine ausreichende Verkohlunggrosser organischer Massen nicht herbeigeführt wird. 1 ) Diegepriesenen Resultate Creteurs mussten nach obigen Er-gebnissen um so zweifelhafter erscheinen, als die von ihmbehandelten Leichen und Kadaver in den zum Theil nochfeuchten Massengräbern mehrfach übereinander geschichtetblieben. Zur Verbrennung der unteren Lagen musste esan dein nöthigen Sauerstoff fehlen, so dass durch das Cre-teur 1 sche Verfahren im günstigsten Falle nur ein Verkohlender obersten Leichenschicht erreicht sein kann. Die Re-duktion des Gräberinhalts auf ein Viertel seiner ursprüng-lichen Füllung würde nur durch ein Verdampfen vonFlüssigkeit in Folge der grossen TTitze erklärt werden können.
Desinflzirung der übrigen Schlachtfelder.
Die Assanirungsarbeiten auf den Schlachtfeldern umParis, im nördlichen und südlichen Frankreich wurden aufBefehl des Ministers für Landwirtschaft und Handel unterLeitung der Gesundheitsräthe der Departements undArron-dissements zur Ausführung gebracht auf Grund von .Direk-tiven, über welche das Comite consultatif d'hygicne publiqueunter Vorsitz von Ambroise Tardieu in einer Sitzung vom'20. .März liS71 Bosehhiss ffefasst hatte. Li Uebereinstim-
') Dasselbe gilt für alle Methoden der Leichenverbrennung bei
offenem Feuer. Da andererseits den hygienischen Forderungen durchwirkliche vollständige Verbrennung unzweifelhaft am besten genügtwürde und die Möglichkeit einer solchen (z. B. in Incinerations-Oefen)wenigstens theoretisch nicht ausgeschlossen ist, empfiehlt § 39 derKriegg-Sanitätsordnung von 1878 die Verbrennung für Thierleichen,-wenn hierzu die Anstalten beschafft werden können".Bmitits-Berioht über die Deutschen Heere 1870/71. I. Bd.
niuiig mit den Anschauungen, welche den Deutschen Arbeitenzu Grunde lagen, sollten nach den Direktiven Exhumirungennur unter Anwendung besonderer Vorsichtsmaassrcgeln undnur dann stattfinden, wenn die Verlegung der Leichen aussanitären oder ökonomischen Gründen durchaus nöthigerschiene. Dahingegen war von der Anwendung chemi-scher Desinfektionsmittel ganz abgesehen, auch die Anlageniedriger Erdhügel (40 bis 50 ein Höhe) angeordnet, welcheindessen nebst ihrer nächsten Umgebung mit schnell wachsen-den Pflanzen besäet werden sollten. Im Vertrauen darauf,dass eine lebhafte Pflanzenvegetation die Fäulnissprodukteam besten zerlege und absorbire, nahm das Comite von derErrichtung hoher Erdhügel und Anwendung chemischerDesinfektionsmittel absichtlich Abstand. 1 ) Vor Metz operirteman in derselben Weise nur an Einzelgräbern, die vonWohnungen, Chausseen und Wasserläufen weit ablagen:es musste mit Recht bezweifelt werden, ob auf den grossenfeuchtgelegenen Massengräbern und Gruben bei so niedrigaufgeworfenen Erdhügeln auch die lebhafteste Vegetationgenügt haben würde, kadaveröse Ausdünstungen zu ver-hüten. Bei den in nächster Nähe bewohnter Ortschaftengelegenen Gräbern konnte von der Französischen Methodekein Gebrauch gemacht werden, da jedenfalls bis zur Ent-wickelung des Pflanzenwuchses Fäulnissgase die dünne Erd-schicht durchdringen mussten.
Erfolg der Assanirungsarbeiten.
Die Assanirung der Schlachtfelder des Feldzuges1870/71 wurde im Laufe des Sommers 1871 beendet.Während der Ausführung traten ernstliche Erkrankungenunter den Arbeitern nicht auf, doch kamen vor Metz,wohl in Folge des Einathmens kadaveröser Ausdünstungen,bei einigen Leuten heftige l'alpitationen, Aufblähen derMagengegend, Ohrensausen, Schwindelgefühl. auch plötz-liches Erbrechen zur Beobachtung, — Erscheinungen, dieschnell vorübergingen und am folgenden Tage stets völligbeseitigt waren. Aehnliches sah Cretenr bei Sedan. DerZweck der Desinfektionsarbeiten wurde allseitig erreicht:die gefürchteten Epidemien blieben aus. Will man in dieserThatsache den Frfolg der auf den Schlachtfeldern aus-geführtem Bestattungskorrekturen erblicken, so kann manfreilich, da die verschiedenen erwähnten Methoden gleich-massig zum Ziele führten, zu dem Schluss gelangen, dasssowohl die Französische als die Deutsche Methode, ebensodie Arbeiten um Sedan unter den jeweilig gegebenen Ver-hältnissen zweckdienliche waren. Ob indessen die Fran-zosischerseits angeordneten Assanirungsniaassregeln. diesich am meisten von den Deutsehen Arbeiten unterschieden,wirklich in der durch die Direktiven vorgeschriebenenWeise zur Anwendung gelangt sind, ist nicht bekannt: esmuss demnach dahingestellt bleiben, ob nicht seitens der-
') Annales d'hygiene publique 1871, T. 35, p. 420 u. ff.
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