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Anhang: Desinfektion der Schlachtfelder.
Band I Band I-
tigen Klimas an meteorologischen Niederschlägen und diein Folge dessen nothwendigen Drainirungsarbeiten ent-standen.
Desinflzirung des Schlachtfeldes von Wörth.
Die Desinfektion des Schlachtfeldes von Wörth erfolgteganz im Sinne der oben geschilderten Arbeiten. SämmtlicheGräber erhielten eine 10 cm dicke Aufschüttung von ge-branntem Kalk oder auch von Gerberlohe, welche letztereindessen nur auf den von Wohnungen weit entfernten Gräbernzur Verwendung kam. Alsdann wurden Erdhügel von 5 FussHöhe aufgeworfen und mit schnell wachsenden Pflanzenbesäet. Exhumirungen fanden nicht statt. Die Arbeitengelangten unter Leitung des Kantonalarztes Dr. Sadoulund des Polizeikommissars Döllinger zur Ausführung;Arbeiter nebst den nöthigen Fuhren stellten die Gemeinden.Nach einer .Meldung des Polizeikommissars an den Unter-präfekten von Weissenburg waren die Arbeiten nachI4tägiger Dauer am 3. März 1871 beendet. Dieselbenhatten 700 Kubikmeter Kalk erfordert.
Desinflzirung des Schlachtfeldes von Sedan.
Auf dem Schlacht fehle von Sedan kamen verschiedeneDesinfektions-Verfahren zur Anwendung. Der Delegirtedes Gönnte" 1 ) pour l'assainissement des champs de bataillein Brüssel, Dr. Trouet, desinfizirte etwa 200 in der Näheder Maas gelegene Gruben, welche nach seiner Schätzungungefähr 5000 Pferdekadaver enthielten, in der Weise, dasser auf die dünne deckende Erdlage eine Kalkschicht von"20 cm Dicke aufschüttete, alsdann einen Erdhügel von1,75 m Höhe errichten und mit Hanf besäen Hess. Die.zur Bildung der Hügel nöthige Erde gewann Dr. Trouetdadurch, dass er jedes Grab mit einem breiten und tiefenGraben umgab. Von den seitens der belgischen Regierungentsandten Delegirten behandelte der Ingenieur Michel 2 )903 Einzel- und Massengräber in ähnlicher Weise.
Nach einer anderen Methode verfuhr der ChemikerCreteur. Ausgehend von der Erfahrung, 3 ) d/tss die Ver-brennung harziger Stoffe bei Gegenwart von Fett eineausserordentliche Hitze entwickelt, glaubte derselbe in demSteinkohlentheer das geeignete Mittel gefunden zu haben,auch in mehreren Schichten übereinander gelagerte Leichenund Kadaver in den Gräbern selbst zu verbrennen. Erliess deshalb die Erde von den Gräbern entfernen bis zuder unmittelbar über den Leichen befindlichen dunkeln,stinkende Gase aushauchenden Schicht. Diese besprengteCreteur, um die kadaverösen Ausdünstungen unschädlichzu machen, anfänglich mit Karbolwasser, später schüttete
') Annales d'hygiene publique 1871. T. 30. p. 203 u. ff.2 ) Frölich, S. 161.4 Creteur, S. 52.
er, da Karbolwasser den Gestank nicht beseitigte und jjArbeiter über Mattigkeit und nervöse Depression klagten!mit verdünnter Schwefelsäure befeuchteten Chlorkalidarauf. Alsdann wurden die Leichen freigelegt, mit eineiTSchicht Chlorkalk bedeckt und reichlich mit SteinkolileJtheer begossen. Nachdem letzterer die verschiede»]Leichenlagen möglichst durchdrungen hatte, wurde <|JTheer endlich durch Stroh entzündet, das vorher mit pjtroleum durchtränkt war. Nach der Schilderung Cre'teurldehnte sich die Flamme schnell über das ganze Grabunter Entwickelung einer enormen Hitze und nach Ablanjvon 55 — 60 Minuten war der Inhalt selbst der grösteJMassengräber angeblich soweit verbrannt, dass nur ein Vierteldes ursprünglichen Inhalts in Form von calcinirten Knocket!zurückblieb, die, mit einer trockenen, harzartigen Mas?überzogen, nicht den geringsten kadaverösen Geruchverbreiteten. Nachdem die Reste mit ungelöschtem Kallbedeckt waren, wurde ein Erdhügel aufgeworfen, deseilBasis nur ein Viertel der Ausdehnung des ursprünglicheGrabes hatte, und alsdann die Regulirung durch Besäen iHanf und Hafer beendet. Für grössere MassengräbaJ250 bis 300 Leichen enthaltend, wurden 5 bis 6, für kleiner*!mit 30 bis 40 Leichen, 2 Tonnen Theer verbraucht. Als iDeutsche Behörde in der zweiten Hälfte des März die Fei;Setzung dieser .Methode verbot, 1 ) desinfizirte Creteur iSinne der Arbeiten der Deutschen Kommission unterwendung von chemischen Desinfektionsmitteln (Theer i«|Kalk) und Errichtung von Erdhügeln mit breiter Oiwlfläche, welche er mit Hanf und Hafer besäen liess.
Die von Trouet und Michel um die Erdhügel gezogen«tiefen und breiten Gräben wurden auch von Creteur ver|mieden.
Die Verbrennungsmethode Creteurs ward am 19. Mi1871 gleichzeitig in der Presse medicale beige und itNouvelliste de Ronen, am 7. April auch in der Gazffilhebdomadaire beschrieben. Da ihr ein vorzüglicher mldurchgreifender Erfolg nachgerühmt wurde, so unteniakdie Deutsche Kommission vor Metz eine Reihe ähnliche!Versuche, welche jedoch aus Pietätsrücksichten auf Pferd«kadaver beschränkt blieben. Um den Verbrennungsproze-zu erleichtern, wurden diese einzeln, reichlich mit Th«übergössen, auf einen aus breiten und grossensteinen zusammengestellten Herd gebracht. Nachdem di|Kadaver noch mit trockenem Stroh und Reisig umpaclund abermals reichlich mit Theer Übergossen waren,sprengte man die so eingehüllten Fleischmassen mit Petr»leum und zündete dasselbe an. Nach dem BerichtKommissionsmitglieder entwickelte sich alsbald eine pHwaltige Flamme nnd eine so kolossale Hitze, dass Jed'Jglaubte, die allseitig vom Feuer umgebenen Kadaver mfisrtin kürzester Zeit verkohlen. Allein das Feuer liess naleiner halben Stunde so sehr nach, dass es durch Nachscli«|
!) Die Gründe für dieses Verbot siehe später.