Band 1.
Anhang: Desinfektion der Schlachtfelder.
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und Stiringen hingegen, dem Kampfplatz der Schlacht beiSpicheren, spülte der Regen die deckende Erdschicht von
d ell __ übrigens fast ausschliesslich im Walde und überall
mehr als 1 Kilometer von Wohnungen entfernt befindlichen— Massengräbern vielfach fort, so dass in Fäulniss begriffeneteichentheile blosslagen. Diese Zustände erfuhren imHerbste 1870 dauernde Beseitigung durch die Thätigkeiteines hierzu beorderten Militärkommandos. Es wurden5 Fuss hohe Erdaufschüttungen ausgeführt, welche zumSchutze gegen Witterungseinflüsse eine Rasenbekleidungerhielten.
Die vielen Opfer des blutigen Tages von Wörth warendurch ein zwangsweises Aufgebot aller arbeitsfähigen Kräfteaus den betheiligten Ortschaften in 8 bis 10 Tagen zur Erdegebettet worden, meist in Massengräbern von 3 Fuss Tiefe.Ein Bericht des Maire von Wörth vom 7. September, des-gleichen eine von Bürgern Wörths unter dem 8. Septemberan den Unterpräfekten in Weissenburg gerichtete Petitionschilderte die Missstände mit der Bitte um Anordnung vonplanmässigen das ganze Gebiet des Schlachtfeldes um-fassenden Arbeiten zur Abwehr der drohenden Gefahren.Auf Veranlassung des Unterpräfekten erliess der Polizei-Koimnissar von Wörth an die Maires sämmtlicher betei-ligten Ortschaften den Befehl, die Gräber hinreichend mitErde zudecken zu lassen.
Die blutigsten Schlachten des Feldzuges 1870/71 hattenbei Metz stattgefunden. Gegen 30 000 Menschenleichenund eine grosse Anzahl von Thierkadavern waren hierrasch zur Erde bestattet. Als im Laufe des Herbstes ver-einzelte Klagen über die Zustände auf den dortigenSchlachtfeldern in die Oeffentlichkeit drangen, ohne dassjedoch Art und Umfang der Unzuträglichkeiten auch nurannähernd vollständig zur allgemeinen Keimtniss — insbe-sondere-der Behörden —- gelangte, erhielt der ApothekerJ. Junghans im Oktober 1870 seitens des Vorstandes derDeutschen ehemischen Gesellschaft den Auftrag, Desin-fektioiisarbeiten in der Umgegend von Metz zur Ausführungzu bringen. Bei St. Privat, Ainauvillers und Vernevillenahm derselbe eine Reihe der Massengräber (je 100 bis 200Leichen enthaltend), welche eine Erddecke von 1 bis 2 Fussbesassen, in der Weise in Angriff, dass er auf denselbenmittels Chlorkalk und Manganlauge eine starke Chlorgas-Bntwickelung einleitete und alsdann Erdhügel aufwarf.Zahlreiche gar nicht verscharrte Pferdekadaver liess Jung-hans mit Karbolsäure besprengen und, soweit die Vorräthereichten, mit Eisenvitriol und Desinfektionspulver bewerfen.Zu einem Vergraben der faulenden Kadaver fehlte es anArbeitskräften; auch die mitgebrachten Vorräthe an Desin-fektionsmaterial — so beträchtlich dieselben an sich scheinenmochten 1 ) — waren bald verbraucht, so dass durch diese
') Zur Desinfizirung des Bazaineschen Lagers wurden von Jung-haus im Dezember 1870 allein 50 Centner Chlorkalk, sowie 50 CentnerEisenvitriol und Karbolsäure-Präparate verwendet.
Arbeiten in der That nur ein kleiner Theil des Schlacht-feldes und auch dieser nur eine höchst unvollkommeneAssanirung erfahren hatte. Es liegt auf der Hand, dassdas Besprengen und Ueberschütten der unter freiem Himmelfaulenden Kadaver nur einen sehr vorübergehenden Erfolghaben und höchstens so lange wirksam sein konnte, alsdie Desinfektionsmittel nicht durch Regen wieder fort-gespült wurden. Auch ist es einleuchtend, dass, wo es anArbeitskräften zum Verscharren der Kadaver fehlte, solcheauch nicht vorhanden waren, um auf den chemisch desin-fizirten Massengräbern Erdhügel in genügender Höhe zuerrichten. Ohne eine derartige Bedeckung aber musste beistärkeren Regengüssen die Wirkung der Chemikalien ver-loren gehen. Ebenso hatte das Comite" der DeutschenVereine zur Pflege im Felde verwundeter und erkrankterKrieger Sachverständige zur Bewerkstelligung der Desin-fektion der Gräber um Metz entsandt, ohne dass eindurchgreifender Erfolg erzielt worden wäre. Den Deut-schen Verwaltungs - Organen aber erwuchs nach Abzugder Belagerungs-Armee zunächst die schon für sich kaumzu bewältigende Aufgabe, innerhalb der Stadt selbst undin deren allernächster Nachbarschaft gesundheitsgemässeZustände anzubahnen. Die Aufmerksamkeit der Behördenrichtete sich daher erst später, zu Anfang des Winters,auf die ausgedehnten Leichenäcker in der weiteren Um-gebung von Metz. Ende November forderte die KaiserlichePräfektur die Maires der im Bereiche der Schlachtfelderliegenden Ortschaften auf, für eine genügende Wieder-bestattung der Leichen Sorge zu tragen. Der mittlerweilehereinbrechende kalte und schneereiche Winter hinderteindessen die Ausführung entsprechender Maassregeln.
Wie bei Spicheren, Wörth und Metz, so wurden auchbei Sedan im Herbst 1870 nachträgliche Desinfektions-arbeiten eingeleitet. Ende September 1870 stellten sichmehrere angesehene Bürger Sedans an die Spitze einesArbeitertrupps, um die gar nicht oder mangelhaft beerdigtenLeichen und Kadaver im Gebiete des Schlachtfeldes vonNeuem zu bestatten. Diese Anläufe wurden jedoch balddadurch unterbrochen, dass Krankheiten unter den Arbeiternauftraten.
Sämmtliche im Spätherbst 1870 auf den verschiedenendamals in Betracht kommenden Schlachtfeldern vorge-nommenen Desinfektionsarbeiteii, mit Ausnahme derjenigenauf dem Schlachtfelde bei Spicheren, erwiesen sich in derFolge als unzureichend. Die von Behörden angeordneteneinheitlichen Maassnahmen wurden zu einer Zeit begonnen,in welcher Kälte und Schnee ihre Durchführung sehr er-schwerten; die von Privatpersonen oder Vereinen in dasWerk gesetzten Versuche aller scheiterten bei der Grösseder Aufgabe an der Unzulänglichkeit der Kräfte und derMittel.
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